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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

338

Z  e  i  s  s  b  er

Man  sieht  aus  der  Vergleichung  des  ganz  unverdächtigen  ausführlichen ­
  Berichtes,  den  Thietmar  gibt,  mit  der  obenangeführten  Stelle
der  Quedlinburger  Annalen,  wie  vorsichtig  die  kurzen  Angaben  der
letzteren  aufzunehmen  und  von  wie  bedingtem  Werthe  dieselben  dort
sind,  wo  ciife  Vergleichung  mit  andern  Quellen  nicht  möglich  ist.
Der  Feldzug  war  für  Heinrich  glücklich,  trotz  mancher  selbst  bedeutender ­
  Verluste.  Wir  werden  einzelnen  Ungenauigkeiten  gerade  der
Quedlinburger  Annalen  auch  im  folgenden  begegnen,  und  überdies  ist
jetzt 1 ),  was  noch  entscheidender  ins  Gewicht  fällt,  die  Heinrichen
feindliche  Tendenz  dieser  Quelle  erwiesen.  Man  hat  in  Zusammenhang
mit  dem  Erfolge  des  Zuges  im  Grossen  und  Ganzen  auch  nach  den
einzelnen  Bestimmungen  jenes  zu  Posen  vereinbarten  Friedens  geforscht. ­
  Allein  die  aus  den  Zuständen,  welche  sich  uns  einige  Jahre
später  zeigen,  auf  diese  Zeit  gemachten  Rückschlüsse  sind  unsicher ­
  2 )  und  nur  das  steht  fest,  dass  auch  fernerhin  dem  Polenfürsten
Mähren  verblieb.
Nach  Beendigung  des  letzten  Feldzuges  und  das  ganze  Jahr
1006  hindurch  beschäftigte  sich  Heinrich  eifrig  mit  der  Herstellung
eines  geordneten  und  ruhigen  Zustandes  in  den  östlichen  Marken  und

*)  Durch  Pabst  in  Exc.  1.  zu  Hirsch.  Ib.  II,  445.  Viel  weniger  richtig  urtheilt
Usinger  zu  Hirsch,  den  er  berichtigen  will,  1,  369:  „der  Bericht  (der  Quedl.
Annal.)  lässt  sich  sehr  wohl  mit  dem  Thietmar’s  vereinigen,  denn  auch  dieser
erzählt  nicht  von  Siegen,  sondern  nur  von  Niederlagen,  die  der  König  zu  erleiden
hatte,  als  er  dem  fliehenden  Feinde  folgte.“  Palacky,  G.  v.  B.  1,  262  spricht  sehr
mit  Unrecht  von  „bulletinartigem  Tone“  des  „sonst  redlichen  Ditraar“,  wogegen ­
  Röpell  1,  122,  den  Hirsch  Ib.  1,370  fälschlich  für  die  entgegenstehende
Ansicht  citirt,  mit  Recht  Thietmar’s  Partei  nimmt.  Die  Vermittelung  welche  nach
W.  v.  Giesebrechts  (Kaiser  G.  II,  44)  Vorgänge  Büdinger  Ö.  G.  1,  338  Anm.  1.
versucht,  kömmt,  obgleich  sie  das  Thatsächliche  trifft,  wenigstens  den  Ann.
Quedl.  nicht  zu  Gute.
2 )  Usinger  zu  Hirsch,  lb.  1,  370.  Sehr  ausführlich  handelt  Wawrowski  1.  c.  p.  48  über
die  muthmasslichen  Friedenspunkte:  Verzichtleistung  BoPs.  auf  das  Milziener  Land,
unter  der  Bedingung,  dass  dasselbe  sein  Schwiegersohn  Hermann  bekomme,  weil
dieser  später  (Thietm.  1.  6  c.  24)  im  Besitz  desselben  (Bautzens)  erscheine,  auf  die
Lausitz,  Zara,  und  Selpuli,  und  zwar  in  der  Art,  dass  diese  Gebiete  theils  an  die  Mark
Gero’s  fallen,  theils  ihre  Selbständigkeit  behaupten  sollten,  erneuerte  Zusicherung
der  im  J.  1000  BolesLrw  eingeräumten  Rechte,  Anerkennung  Jaromir’s  als  Fürst
von  Böhmen,  fernerer  Besitz  Mährens  durch  Bolesfaw  und  das  Versprechen  desselben,
sich  in  die  Angelegenheiten  der  zwischen  Elbe  und  Oder  wohnenden  Slaven
nicht  mengen  und  sie  nicht  gegen  das  deutsche  Reich  aufreizen  zu  wollen.
            
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