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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heinr.  11.  mit  Herzog  ßoleslaw  1.  v.  Polen.

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nach  innen,  nicht  aber  nach  aussen  zu  Folge.  Bei  Boleslaw  änderte
sich  in  beiden  Fällen  seine  Stellung  nach  innen  nicht,  wohl  aber  nach
aussen  in  Hinsicht  auf  das  deutsche  Reich.
Indem  ich  nun  znr  Besprechung  der  von  Gfrörer  aulgestellten
Ansichten  gelange,  habe  ich  vorerst  mich  über  die  Echtheit  einer
Bulle  Silvester  s  II.  <)  für  König  Stephan  zu  äussern,  dies  umsomehr,
als  der  sonst  nachsichtsvolle  Beurtheiler 2 )  meiner  „Blütheder  nationalen ­
  Dynastien“  III.  Bd.  der  österr.  Gesehichte  für  das  Volk,  Wien
1866,  mir  zum  Vorwurfe  macht,  dass  ich  die  Urkunde  als  unecht
verwerfe.  Die  Bulle  ist,  wie  der  unbefangene  Leser  auf  den  ersten
Blick  wahrnehmen  muss,  mit  Zuhilfename  des  Berichtes  Ilarhvig’s
gefälscht.  Aber  dass  von  einer  Unterwerfung  Ungarns  unter  die  Herrschaft ­
  des  römischen  Stuhles,  in  dem  Sinne,  wie  sie  die  Bulle  vermeint ­
  und  nachmals  Gregor  VII.  beansprucht  hat,  keine  Rede  sein
kann,  lehren  gerade  Hartwig's  und  des  chron.  mixt.  Berichte,  von
denen  der  eine  unter  den  Eindrücken  der  neuen  päbstliehen  Ansprüche,
und  durchaus  nicht  im  Gegensatz  zu  denselben,  der  andere  nicht  allzu
lange  danach  entstand,  welche  beide  von  einer  solchen  Unterwerfung
Schweigens).  Es  ist  aber  klar,  dass  die  einfache  Verleihung  der  Krone,
die  keine  Abhängigkeitsverpflichtung  enthielt,  doch  leicht  zu  Gunsten
einer  solchen  gedeutet  werden  konnte,  wie  wir  ja  auch  sonst,  z.  B.
hei  der  römisch-deutschen  Kaiserkrönung,  das  Erwachen  ähnlicher
Ansprüche  verfolgen  können.  Ferner  ist  in  der  Bulle  Silvester’s  die
Erwähnung  des  Herzoges  von  Polen,  dem  die  Krone  ursprünglich
bestimmt  gewesen  sei,  ganz  plump,  und  in  der  fein  berechnenden ­
  päbstliehen  Kanzleisprache  geradezu  unerhört.  Mau  hat  auch  die

9  Bei  Fejcr,  Cod.  dipl.  I,  274  ff.
a )  Allgemeine  Literatur-Zeitung  für  das  kathol.  Deutschland  13.  Jahrg.  Nr.  19.
8 )  Hartwig  fasst  die  Bitte  Stefan’s  an  den  Pabst  in  die  Worte  zusammen:  „regio
etiam  dignaretur  ipsum  diademate  roborare,  ut  eo  fultus  honore,cepta  per  dei
gratiam  posset  solidius  stabilire.“  Das  ist  wohl  sehr  weit  entfernt  von  dem,  was
jene  Bulle  sagt:  „Tum  vero  largitatem  liberalitati,  qua  beato  Petro,  apostolorum
principi,  regnum  ac  gentem,  cuius  dux  es,  cunctaque  tua  ac  temetipsum  per  eosdem
legatos  et  Iitteras  perpetuum  obtulisti,  digno  preconio  commendamus.“  Dass  aber
selbst  die  viel  schwächeren  Ausdrücke  Hartwig’s  manche  Bedenken  erregen,  zeigen
hinwieder  die  Worte  der  vita  maior:  „divina  sic  volente  clemencia,  henedictionis
  apostolice  litteris  allatis,  presulibus  cum  clero,  eomitibus  cum  populo
laudes  congruas  acclamantibus  dilectus  deo  Stephanus  rex  appellatur  et  unctione
crismali  perunctus  diademate  regalis  dignitatis  feliciter  coronatur“.
            
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