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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heim*.  II.  mit  Herzog  Bolesfaw  I.  v.  Polen.

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noch  eine  zuerst  von  Muratori,  dann  von  Bielowski,  am  besten  aber
von  W.  Giesebrecht  publicirte  Urkunde,  in  welcher  der  Name  Preussen
  zum  ersten  Male  vorkümmt'),  in  Betracht.
Die  Urkunde  lautet  nach  der  üblichen  Erklärung:  „Item  in  einem
anderen  Bande  unter  Pabst  Johann  XV.  Dagome,  der  Richter 2 ),  und
Ote,  die  Senatorin,  und  ihre  Söhne  Misaca  und  Lambert  sollen  dem
h.  Petrus  eine  ganze  Stadt  geschenkt  haben,  die  Schinesghe  heisst,
mit  allem  Zubehör,  innerhalb  der  folgenden  Grenzen:  beginnend  auf
der  einen  Seite  längs  des  Meeres  von  Bruzze  bis  zu  dem  Orte  Russe
und  von  Russe  bis  Cracoa  und  von  Cracoa  bis  zum  Flusse  Oddere,  dann
geradezu  auf  den  Ort  Alemure  und  von  Alemure  bis  zum  Lande  Milze,
das  rechte  (?)  Ufer  der  Odder  entlang  wieder  zurück  bis  zur  Stadt
Schinesghe.“  Die  hier  genannten  Oertlichkeiten  sind  dunkel,  durch
Missverständniss  und  irrige  Schreibung  gewiss  vielfach  entstellt.
Schinesghe  wird  als  Gnesen  gedeutet;  im  arabischen  Geographen
Edrisis)  heisst  die  Stadt  „Dzenazya.“  Der  Pabst  Johann  XV.  regierte
von  Sept.  985  bis  April  996 4 ),  und  da  Miseco  992  starb,  wäre  die
Urkunde  zwischen  992  und  996  zu  setzen.
Lelewel  nun  hält  Dagon,  wie  er  ihn  nennt 5 ),  für  den  Vormund
jener  Witwe  und  ihrer  Söhne,  und  meint,  Dagon,  Pribuvoj  und  Odilien
seien  die  Parteigänger  Oda's  zur  Zeit,  als  Miseco  noch  lebte,  gewesen;
sie  hätten  mit  ihr  zugleich  und  erfolgreich  dahin  gewirkt,  dass  Miseco
auch  ihre  Kinder  bei  seinem  Tode  bedenke.  BolesJaw  nun  habe  Stiefmutter ­
  und  Stiefbrüder  vertrieben,  die  sich  nach  Italien  begaben  und
dort,  wo  nun  Boleslaw-Lambert  Mönch  wurde,  jene  Schenkung  Polens
an  den  h.  Stuhl  machten.  Die  Erhebung  Stephans  zum  König,  fährt  Lelewel ­
  fort,  ist  dann  für  Boleslaw  der  Anlass  geworden,  mit  Hilfe  Rom’s
gleiches  anzustreben.  L.  findet  diese  Versuche  in  der  vita  S.  Ro-1
 )  Wie  W.Giesebr.,  Brun  Bonifacius  S.  8  hervorhebt.  Die  Urk.  in  meinem  Miseco  l,pg.  85.
2 )  W.  Giesebrecht,  G.  d.d.Ks.  Zt.  I.,  845  bemerkt,  dass  im  8.  Jh.  und  danach  „iudices“
eine  Bezeichnung  war,  die  fast  alle  höheren  öffentlichen  Beamten  (Italiens)  umfasste.
Vgl.  insbesouders  noch  Hegel,  Gesch.  der  Städteverf.  von  Italien  1,  266  ff.  über  die
Bedeutung  von  „Senator“  „senatfix“  und  ,Judex“  in  Roin  zu  jener  Zeit.
a )  Geographie  d’Edrisi  traduite  de  l’arabe  en  franyais.  par  F.  R.  Jaubert,  T.  II.  Paris
1840  (im  Recueil  de  voyages  et  de  memoires  publie  par  la  societe  de  geographie
T.  VI.  Paris  1840)  pg.  375,  380,  389.
4 )  Cohn,  in  Voigtel’s  Geschichtstabellen.
5 )  Mit  der  Form  „Dagome“  erledigt  sich,  was  Lelewel  S.  67  bemerkt:  „Dagon  lub
Dogon  jest  jimie  czysto  slawianskie“.
            
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