320
Zeissberg
Privilegien der römischen Curie geöffnet, vor allem Volke laut verlesen
und beiden Völkern wird die Bestätigung des Friedens und der Freundschaft
verkündet. Das Volk giebt beiderseits seine Zustimmung und
beschwört den Frieden eigenhändig. Dann wird der Gesang: „benedicta
sit sancta trinitas“ angestimmt und es werden noch acht Tage in
Fröhlichkeit zugebracht. Dann ziehen das ganz Heer der Polen und ihr
Herzog reichlich beschenkt über die Burg Salis heim, Stephan abei'
kehrt nach seinem Lieblingssitze Stuhlweissenburg zurück.“ Der
weitere Verlauf von Stephans Leben wird sodann wieder mit Hartwig’s
Worten erzählt. Dabei hebe ich als eigenthümlich hervor, dass
Emmerich oder Henricus „nobilis dux Sclavoniae“ genannt wird.
Das folgende gehört nun, strenge genommen, nicht mehr in diese
Untersuchung, ist aber zu berücksichtigen, da es uns einen tieferen
Einblick in die Natur der vorliegenden Quelle gewähren dürfte. Nach
Emmerich’s Tode gebiert dem Stephan seine Gemalin noch drei
Söhne Leventha, Petrus und Bela. Sechs Monate nach der Geburt des
letzteren stirbt sie. Stephanheirathet aber noch einmal, eineDeutsche,
die Schwester des Königs von Deutschland, mit der ein jüngerer
Bruder derselben, Heinrich, ins Land kömmt. Stephan stirbt, nachdem
er zum Vormünder seiner Söhne Kaulund die Landesbischöfe bestimmt,
und zum Reichsverweser Alba mit Zustimmung der Grossen eingesetzt
hat. Aber die Königin sinnt böses wider Alba und sucht die
Söhne Stephan’s und Alba aus dem Wege zu räumen um ihren Bruder
Heinrich auf den Thron zu erheben. Sie räth ihrem Bruder endlich,
nach Deutschland zu gehen und von dort mit Heeresmacht wieder zu
kommen. Dies geschieht und Heinrich siegt bei Gran') über Alba.
Alba und Kaul fliehen mit den 3 Söhnen Stephans L., B. u. P. nach
Polen zu deren Grossmutter, der Grossherzogin von ganz Polen 2 )
Dambrovca s). Diese war nämlich damals Wittwe, und erzog ihren
Sohn Bolesiaw, der, ein tapferer Jüngling von 18 Jahren, die
zarten Waisen von so edler Abkunft innig liebte und ihre edlen
! ) „ex ista parte civitatis Strigoniensis“.
2 J „magnam ducissam totius Poloniae“.
s ) Die Genealogie dieser Chronik wäre also:
Geisa X Athleita
Mescho X Dambrovea
Stefan
Leventa, Bela und Petrus.
ßoleslaus.