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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Zeissberg

das  erste  Mal,  er  empfiehlt  hierauf  seinem  verriitherischen  Gefährten
seine  Kinder;  er  hläst  zum  zweiten  Male,  den  Strick  um  den  Hals;
er  bläst  zum  dritten  Male,  bereits  auf  der  Leiter  zum  Galgen,  da
seine  Retter,  die  Prager,  mit  Stöcken  und  Stangen  erscheinen  und
die  Versoveen  erschreckt  entfliehen.  Ich  führe  diesen  dramatischen
Zug  aus  Dalimil’s  Erzählung  nur  desshalb  an,  weil  eine  ähnliche  Wendung ­
  in  anderen  Sagen  öfters  wiederkehrt.  Das  Blasen  eines  Hornes
in  der  Stunde  der  äussersten  Gefahr,  wie  es  auch  in  der  Rolandsage
vorkommt,  begegnet  in  der  Erzählung  von  dem  zum  Tode  geführten
magyarischen  Heerführer  Lehel  bei  Kheza  i),  der  mit  seinem  Horn
nach  Heinrich’s  von  Miiglin 2 )  Chronik  den  Kaiser  Konrad  erschlägt,
und  in  Salomon  und  Morolt  a).  Die  sonstige  Erweiterung,  welche
unsere  Sage  hei  Dalimil  und  späteren  bis  einschliesslich  Hagek  gefunden ­
  hat,  übergehe  ich  hier  völlig,  da  ein  weiteres  Eingehen  darauf ­
  nach  dem  emsigen  VIII.  Excurse  von  Hirsch  zu  dem  I.  Bde.  der
Jahrbb.  des  deutsch.  Reichs  unter  Heinrich  II.  S.  490  ff.  unter  dem
Titel:  „Die  Verhältnisse  Böhmens  und  Polens  im  Zeitalter  Heinrich’s  11.
in  ihrer  sagenhaften  Umgestaltung  der  böhmischen  und  polnischen
Schriftsteller“,  zwecklos  wäre.  N  on  der  Königinhofer  Hs.  aber  muss
nach  dem  gegenwärtigen  Stande  der  Forschung  über  dieselbe  an
dieser  Stelle  Umgang  genommen  werden.
III.
Noch  ein  anderes  heissersehntes  Ziel  wurde  dem  Polenfürsten
durch  die  Ereignisse  des  Jahres  1004  in  weite  Ferne  gerückt.  Es
fallen  nämlich  in  die  Zeit,  da  Bolestaw  über  Böhmen  gebot,  dessen
Bemühungen  in  Rom  um  die  Erlangung  einer  Krone,  wozu  die  denkwürdige, ­
  unlängst  dem  Fürsten  der  Ungern  zu  Theil  gewordene  Auszeichnung ­
  vermuthlich  die  Anregung  gab.  Wir  erhalten  Kenntniss
von  diesen  Bemühungen 4 )  zunächst  durch  die  „vita  S.  Romualdi“,  die
*)  Endlicher,  Mon.  Arpad.  105.
2 )  Kovachich,  Samml.  kl.  noch  ungedr.  Stücke.  Ofen  1805  S.  30.
s )  Bechstein,  L.  Mythe,  Sage,  Märe  und  Fahel  im  Leben  und  Bewusstsein  des  deutsch.
Volkes  2.  Bd.  Leipzig  1855.  S.  129.  Bei  Birlinger,  Volksthümliches  aus  Schwaben
1,  369  thut  die  Müllerstochter  drei  Schreie,  als  der  Retter  erscheint.
Röpell  behandelt  dipseiben  sehr  kurz  (S.  113  und  162);  an  der  zweiten  Stelle  setzt
er  durch  ein  Versehen  die  Bemühungen,  von  denen  die  vita  S.  ltomualdi  spricht,
„an  den  Abend  seines  (Bol.’s)  Lehens“.
            
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