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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heinr.  IF.  mit  Herzog  Bol  es  Ja  w  I.  von  F*olen.

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des  Herzog’s  Jaromir  auf  der  Jagd,  au  einen  Ort,  Welis  genannt,
und  als  sie  durch  ein  Gerücht  erfahren,  was  mit  dem  Herzoge  in
Polen  geschehen  war,  sagten  sie:  Was  ist  das  für  ein  kleiner  Mensch,
schwächer  als  Tang,  der  über  uns  stehen  und  unser  Herr  heissen  soll?
Gibt  es  denn  nicht  unter  uns  einen  bessern  und  würdigeren  zur
Herrschaft?  0  des  schlechten  Herzens!  o  des  schlechten  Geistes!  Was
sie  überlegen,  da  sie  nüchtern  sind,  thun  sie  öffentlich  in  der  Trunkenheit. ­
  Denn  wie  ihre  Schlechtigkeit  Feuer  ting  und  durch  den
Wein  an  Stärke  zunahm,  ergreifen  sie  ihren  Herrn,  binden  ihn  grausam ­
  und  heften  ihn  nackt  und  rücklings  an  Händen  und  Füssen  mit
hölzernen  Nägeln  an  den  Boden,  umreiten  ihn  in  kriegerischem
Reigen,  und  reiten  selbst  über  den  Körper  ihres  Herrn.  Als  dies
einer  seiner  Leute,  Dovora  i),  sieht,  eilt  er  flugs  nach  Prag  und
meldet,  was  hier  geschehen,  alsbald  den  Freunden  des  Herzogs,
und  zur  Stunde  führt  er  sie  an  die  Stelle  des  Frevels.  Sobald  jene
Übelthäter  diese  bewaffnet  über  sich  herkommen  sehen,  fliegen  sie
wie  die  Fledermäuse  in  die  Schlupfwinkel  des  Waldes.  Aber  jene
finden  den  Herzog  von  Fliegen  zerstochen,  halb  todt,  da  wie  ein
Bienenschwarm  die  Fliegen  über  seinen  entblössten  Körper  herfielen,
binden  ihn  los  und  f  ühren  ihn  auf  einem  Wagen  in  die  Burg  Wissegrad. ­
  Dem  Diener  Dovora  aber,  dem  alles  Lobes  würdigen  Freunde
des  Herzogs,  wird  nach  Verdienst  folgende  Gnade  zu  Theil.  Ein  Herold
nämlich  verkündet  auf  -allen  Märkten,  dass  sowohl  Davor,i  selbst,
als  seine  Nachkommen  unter  die  edlen  und  freigebornen  in  alle  Zukunft ­
  aufgenommen  seien.  Ausserdem  erhält  er  die  Würde  des  Landesjägermeisters, ­
  welche  an  dem  Hofe  Zbeena  haftet,  und  welche  Enkel
und  Urenkel  seitdem  bis  heute  s)  besitzen.  Während  dies  in  Böhmen
geschieht,  bricht  Herzog  Mesco  mit  einem  starken  polnischen  Heere
auf,  bemächtigt  sich  der  Burg  Prag  und  hält  sie  durch  zwei  Jahre
1000  und  1001  besetzt.  Nur  die  Burg  Wissegrad  blieb  ihrem  Herzoge
getreu,  unerschrocken  und  uneinnehmbar,  ln  jenen  Tagen  schickte
derselbe  Herzog  Mesco  seine  Boten  an  den  Kaiser,  indem  er  ihm
eine  ungemein  grosse  Summe  Geldes  zusandte  und  zu  senden  versprach, ­
  auf  dass  er  ihm  den  Sohn  Herzog  Boleslaw’s  Udalrich,  der

0  „bei  allen  späteren  Hovora“  Hirsch,  1,  491.
~)  Stebecna  d.  i.  Zbecna  im  Satzer  Kreise.
3 t  Dies  sag-t  auch  noch  Job.  Marignola  bei  Debiler  11,  145.
Sitzb.  d.  pliil.-hist.  CI.  LVI1.  ßd.  II.  Hit.

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