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Zeissberg
So war Bolesl'aw’s kühngefasster und anfänglich mil so viel
Glück versuchter Plan, von Polen aus, ein auch das benachbarte
Gebiet der Böhmen und Wenden umfassendes Reich zu gründen,
schmählich gescheitert.
Der Bericht lautet: (c. 3) Der König beschloss mit den Fürsten seines Reichs
auf einem Hoftage zu Quedlinburg Polen und Böhmen und die übrigen angrenzenden
Slavenlandschaften zu bekriegen, (c. 4.) Er sammelte also ein Heer
und zog gegen die genannten Völker zu Felde. Und als er durch Walheck
kam, umgürtete er sich mit dem dort als Reliquie seit langer Zeit verwahrten
Schwerte des h. Adrian und sagte dabei: Richte, o Herr, über die, welche
mir Schaden zufügen, besiege die mich bekämpfenden, u. s. f. Von dort zog
er weiter bis auf das freie Feld, auf dein die Merseburger Kirche steht, und
da er den Ort verödet sah, gelobte er dem h. Laurentius, wenn es ihm gelingen
sollte, die barbarischen Völker zu besiegen, gegen die er zu Felde ziehe, jene
Kirche in allem Glanze zu erneuern. Als nun die Fürsten Polens, Böhmens und der
übrigen slavischen Stämme vernahmen, dass der römische Kaiser wider sie komme,
zogen sie ihm mit unzähligen Schaaren entgegen. Der König erfuhr dies und betete
zu den heiligen Laurentius, Georg, und Adrian, sie möchten ihn und sein Heer
beschützen. Dann empfingen die seinigen das Abendmahl und kamen auf das
Schlachtfeld. In die Schlacht sah er jene Heiligen selbst eingreifen und ihm den Sieg
verleihen (c. 5) und nachdem er Polen, Böhmen und Mähren tributpflichtig
gemacht, erfüllte er sein Gelübde bezüglich Merseburg’s. — Zeigt dieser Bericht
vielfach sagenhafte Ansätze in deutschem Sinne, so eröffnet der um 100 J. später
lebende Kosmas in seinem Werke die slavische Sagenbildung über den Zug, die
indess so umfangreich ist, dass ich es zweckmässig fand, sie an den Schluss dieses
Abschnittes zu verweisen. — Nüchterner als die böhmischen sind die polnischen
Berichte. Die chronica Polonorum bemerkt von Bolesfaw': „Hat er nicht Mähren
und Böhmen unterworfen und zu Prag den Herzogsstuhl eingenommen, und diese
Stadt Suffraganen zugewiesen?“ Das.f freilich Bol. Böhmen später wieder einbiisste,
davon schweigt die national-polnische Quelle. An einer späteren Stelle derselben
1. 1. c. 17 wird erzählt, dass Bol’s Sohn Mesco das Unglück hatte, bei einer Unterredung
in die Hände der Böhmen zu gerathen „et genitalia ne gignere posset,
corrigiis astrictus, quia rex ßolezlavus pater eius similem eis iniuriam fecerat,
quum eorum ducem suumque avunculum ex cecauerat“. ann. Cracov. vetusti, ann.
Capit. Crac. und ann. Cracov. compilati enthalten über die Eroberung Prag’s nichts,
ann. Cracov. breves ad a. 1001: „et eodem anno Poloni receperunt Pragam et
ducem Boleslaum in eadem cecaverunt“ (Zahl und Factum falsch), chron. Polonorum
hei Stenzei 1,10 : „Hic primus sedem ducalem Pragae constituit et ecelesiam
ibi in monte edificauit,“ welche Dobner V, 18 in der St. Lorenzkirche auf
dem Berge Patrzie bei Prag wiederfindet; ann. Polonorum, chron. Petri comitis, Vincentius
von Krakau nennen ol^ne Jahresangabe die Bohemi als überwunden durch
Boleslaw'. Dzierzwa sagt von Prag: Bolesfaw habe es zur zweiten Residenz gemacht.
Die Stellen zählt grösstentheils auch Röpell 1,117 Note 23 auf. Vgl. ferner Hirsch
l,2ö2 Anm. 6.
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