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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Zeissberg

So  war  Bolesl'aw’s  kühngefasster  und  anfänglich  mil  so  viel
Glück  versuchter  Plan,  von  Polen  aus,  ein  auch  das  benachbarte
Gebiet  der  Böhmen  und  Wenden  umfassendes  Reich  zu  gründen,
schmählich  gescheitert.
Der  Bericht  lautet:  (c.  3)  Der  König  beschloss  mit  den  Fürsten  seines  Reichs
auf  einem  Hoftage  zu  Quedlinburg  Polen  und  Böhmen  und  die  übrigen  angrenzenden ­
  Slavenlandschaften  zu  bekriegen,  (c.  4.)  Er  sammelte  also  ein  Heer
und  zog  gegen  die  genannten  Völker  zu  Felde.  Und  als  er  durch  Walheck
kam,  umgürtete  er  sich  mit  dem  dort  als  Reliquie  seit  langer  Zeit  verwahrten
Schwerte  des  h.  Adrian  und  sagte  dabei:  Richte,  o  Herr,  über  die,  welche
mir  Schaden  zufügen,  besiege  die  mich  bekämpfenden,  u.  s.  f.  Von  dort  zog
er  weiter  bis  auf  das  freie  Feld,  auf  dein  die  Merseburger  Kirche  steht,  und
da  er  den  Ort  verödet  sah,  gelobte  er  dem  h.  Laurentius,  wenn  es  ihm  gelingen
sollte,  die  barbarischen  Völker  zu  besiegen,  gegen  die  er  zu  Felde  ziehe,  jene
Kirche  in  allem  Glanze  zu  erneuern.  Als  nun  die  Fürsten  Polens,  Böhmens  und  der
übrigen  slavischen  Stämme  vernahmen,  dass  der  römische  Kaiser  wider  sie  komme,
zogen  sie  ihm  mit  unzähligen  Schaaren  entgegen.  Der  König  erfuhr  dies  und  betete
zu  den  heiligen  Laurentius,  Georg,  und  Adrian,  sie  möchten  ihn  und  sein  Heer
beschützen.  Dann  empfingen  die  seinigen  das  Abendmahl  und  kamen  auf  das
Schlachtfeld.  In  die  Schlacht  sah  er  jene  Heiligen  selbst  eingreifen  und  ihm  den  Sieg
verleihen  (c.  5)  und  nachdem  er  Polen,  Böhmen  und  Mähren  tributpflichtig
gemacht,  erfüllte  er  sein  Gelübde  bezüglich  Merseburg’s.  —  Zeigt  dieser  Bericht
vielfach  sagenhafte  Ansätze  in  deutschem  Sinne,  so  eröffnet  der  um  100  J.  später
lebende  Kosmas  in  seinem  Werke  die  slavische  Sagenbildung  über  den  Zug,  die
indess  so  umfangreich  ist,  dass  ich  es  zweckmässig  fand,  sie  an  den  Schluss  dieses
Abschnittes  zu  verweisen.  —  Nüchterner  als  die  böhmischen  sind  die  polnischen
Berichte.  Die  chronica  Polonorum  bemerkt  von  Bolesfaw':  „Hat  er  nicht  Mähren
und  Böhmen  unterworfen  und  zu  Prag  den  Herzogsstuhl  eingenommen,  und  diese
Stadt  Suffraganen  zugewiesen?“  Das.f  freilich  Bol.  Böhmen  später  wieder  einbiisste,
davon  schweigt  die  national-polnische  Quelle.  An  einer  späteren  Stelle  derselben
1.  1.  c.  17  wird  erzählt,  dass  Bol’s  Sohn  Mesco  das  Unglück  hatte,  bei  einer  Unterredung ­
  in  die  Hände  der  Böhmen  zu  gerathen  „et  genitalia  ne  gignere  posset,
corrigiis  astrictus,  quia  rex  ßolezlavus  pater  eius  similem  eis  iniuriam  fecerat,
quum  eorum  ducem  suumque  avunculum  ex  cecauerat“.  ann.  Cracov.  vetusti,  ann.
Capit.  Crac.  und  ann.  Cracov.  compilati  enthalten  über  die  Eroberung  Prag’s  nichts,
ann.  Cracov.  breves  ad  a.  1001:  „et  eodem  anno  Poloni  receperunt  Pragam  et
ducem  Boleslaum  in  eadem  cecaverunt“  (Zahl  und  Factum  falsch),  chron.  Polonorum ­
  hei  Stenzei  1,10  :  „Hic  primus  sedem  ducalem  Pragae  constituit  et  ecelesiam
  ibi  in  monte  edificauit,“  welche  Dobner  V,  18  in  der  St.  Lorenzkirche  auf
dem  Berge  Patrzie  bei  Prag  wiederfindet;  ann.  Polonorum,  chron.  Petri  comitis,  Vincentius
  von  Krakau  nennen  ol^ne  Jahresangabe  die  Bohemi  als  überwunden  durch
Boleslaw'.  Dzierzwa  sagt  von  Prag:  Bolesfaw  habe  es  zur  zweiten  Residenz  gemacht.
Die  Stellen  zählt  grösstentheils  auch  Röpell  1,117  Note  23  auf.  Vgl.  ferner  Hirsch
l,2ö2  Anm.  6.
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