Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

292

Zeis.s  borg

sich  Boleslaw  in  den  Besitz  desselben  gesetzt  hat  ').  „Er  würde“,
meint  Thietmar,  „das  Land  wohl  gänzlich  verwüstet  haben,  wenn  ihn
nicht  zuerst  reichlicher  Schneefall,  darauf  Thauwetter  *)  daran  gehindert ­
  hätte“.
Betrübt  über  diese  unvorhergesehene  Vereitlung  des  beabsichtigten ­
  Zuges  zurückkehrend,  verstärkte  er  den  Markgrafen  Guncelin
  und  die  übrigen  Vertheidiger  der  Landesgrenzen  durch  eingelegte ­
  Besatzungen  und  erfuhr,  als  er  nach  Merseburg  kam,  dass
sein  Bruder  zum  Ungernkönig  um  durch  dessen  Vermittelung  Verzeihung
zu  erlangen,  geflohen,  und  dass  auch  Heinrich  in  sich  gegangen  sei.
Er  willfahrte  daher,  wiewohl  ungerne,  der  Bitte,  der  Mittelspersonen
an  welche  sich  dieser  wandte,  sowie  seines  vielgeliebten  Tagino  (Erzbischofs ­
  von  Magdeburg  seit  Beginndes  Jahres  1004)  und  des  Herzogs
Bernhard,  stellte  Heinrich  und  seinen  Anhängern  ihre  Güter  zurück
und  gestattete  ihm  die  Heimkehr  unter  der  Bedingung,  dass  er  ihn,
so  lange  er  wollte,  in  Gefangenschaft  halten  könne.  Heinrich  bekannte
sich  unter  Thränen  für  in  allen  Stücken  nur  zu  schuldig,  unterwarf
sich  reumiithig  dem  Könige  und  wurde  auf  dessen  Geheiss  von  dem
besagten  Erzbischöfe  in  die  Veste  Ivicanstein  (Gibichenstein)  gesperrt
und  von  dessen  Mannen  Tag  und  Nacht  sorgsam  bewacht.  „Dort  hat
er  unter  anderen  guten  Werken  auch  das  gethan,  dass  er  eines  Tages
das  Psalter  mit  ISO  Kniebeugungen  sang“.
Noch  war  also  der  Krieg  wider  Boleslaw  keineswegs  zu  endgiltigem
  Abschlüsse  gekommen,  als  Heinrich  II.  plötzlich  von  demselben
abliess  oder  vielmehr  die  Fortsetzung  desselben  aufschob  und  nach
Italien  zog,  um  die  den  deutschen  Waffen  unter  Herzog  Otto’s  von
Kärnten  Führung  1002  wiederfahrene  Schmach  zu  tilgen.  Auf  dem

et  cruenta  caede  devastans,  sibi  subiugavit“  kann,  da  sie  an  der  Spitze  der  Nachrichten ­
  des  Jahres  steht,  eben  so  wenig-  (vgl.  L.  Giesebrecht  W.  G.  II,  A.  2.  und
II,  16  A.  4)  richtig  sein,  als  die  hier  erwähnte  „Unterwerfung u .  (Vgl.  Wawrowski
  p.  34  ad  3.  und  Hirsch  I,  299  Anm.  1.)
J )  Usinger  in  Sybel,  hist.  Zeitschr.  VIII,  403  bringt  dieses  Ereigniss  in  Verbindung
mit  Boleslaw’s  erfolglosem  Anschläge  auf  Meissen  1003.
2 )  „superflua  ni  vis  effusio  celeriter  resoluta“  ist  nicht  „strenge  Kälte  und  tiefer
Schnee“,  was  Röpell  1.119  wohl  aus  Adalbold  gefolgert  hat.  Doch  dieser  scheint
hier  wieder  nur  eine  Paraphrase  Thietmar’s  zu  sein,  wie  auch  Hirsch  1.299  Anm.  1
urtheilt.  N.  Laus.  Mag.  a.  a.  o.  13  meint:  „Der  König  hatte  auf  Frost  gerechnet
und  war  über  die  wahrscheinlich  gefrorene  Elbe  gegangen;  aber  der  reichlich
gefallene  Schnee  fing  an  zu  schmelzen;  der  König  fürchtete  wohl  das  Autthauen
des  Flusses“.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.