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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heini.  II.  mit  Herzog  ßolesfaw  I.  von  Polen.

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Tochter,  wo  man  wahrscheinlich  die  Wiederkehr  der  Erlebnisse  des
vorigen  Jahres  befürchtete,  die  Aufforderung  ergehen,  es  möge  sich
Niemand  fürchten  unij  etwa  nach  der  Sitte  jener  Zeit  durch  erhobenes
Geschrei  seine  Nachbarn  von  dein  geschehenen  in  Kenntniss  setzen.
Sodann  theilte  sich  das  Heer  auf  seinen  Befehl  in  vier  Abtheilungen,
und  es  wurde  denselben  die  Burg  Cirin  —  man  bezieht  den  Namen
auf  die  längst  zerstörte  Burg  Zehren  und  das  gleichnamige  Dorf  nördieh
  bei  der  Stadt  Meissen—als  Vereinigungsort  für  den  Abend  bezeichnet; ­
  zwei  Rotten  i)  aber  zogen  voran,  damit  seine  Truppen  nicht  durch
den  Markgrafen a )  belästigt  werden  könnten.  Da  wurde  denn  der  ganze
Gau  Zlomizi  3),  der  damals  auf  das  beste  bestellt  war,  an  diesem
einen  Tage  durch  Feuer,  Schwert  und  Wegschleppung  der  Bewohner ­
  verödet.  „Es  möge  verstattet  sein“,  fährt  Thietmar  in  der  Schilderung ­
  dieses  Plünderungszuges  fort,  „zu  erzählen,  wie  der,  welcher
alle  gar  oftmals  betrog,  von  einigen  Mannen  auf  Burg  Mogilina
(Mügeln  bei  Hubertsburg)  zum  besten  gehabt  wurde.  Diese  sagten,
da  sie  von  der  auf  sie  losgehenden  Abtheilung  angegriffen  wurden:
‘Warum  thut  ihr  dies?  Wir  wissen  ja,  dass  euer  Herr  sehr  gut
ist,  und  wollen  ihn  dem  unsrigen  vorziehen.  Geht  nur  voran  und
wir  werden  euch  mit  unsren  Familien  und  all  unserer  Habe
schon  nacbfolgen’.  Da  sie  so  sprachen,  belästigten  sie  die  Feinde
fernerhin  nicht  mehr,  meldeten  vielmehr  ihrem  Herrn  als  gewiss,
dass  sie  heranzögen.  Als  aber  der  Herzog  sah,  dass  seine  Krieger
zu  spät  an  dem  bestimmten  Orte  eintrafen,  und  jene  gar  zu
Hause  verblieben,  gerieth  er  in  den  heftigsten  Zorn  und  drohte
den  trügerischen  Bundesgenossen  4 )  mit  seiner  Rache“.  Am  folgenden ­
  Morgen  mit  Sonnenaufgang  trat  Bolesi'aw  den  Rückzug  an.
Er  sandte  die  unermessliche  Beute  voraus.  Doch  begünstigte  diesmal
die  Polen  nicht  das  Glück.  In  der  Elbe  ertranken  ihrer  viele;  die
übrigen  kamen  unversehrt  nach  Hause,  wo  sie  unter  sich  die  Beute
vertheilten,  nachdem  sie  das  beste  für  ihren  Herscher  ausersehen.
Die  Zahl  der  Gefangenen  belief  sich  auf  nicht  weniger  als  3000,  ja
1 )  „duo  phalanges“:  Wawrowski  p.  32  hält  sie  für  Reiter.
2 )  Nämlich  Güncelin.  Wawrowski  p.  31.
3 )  1.1.  c.  3.  Glomuci  genannt;  Lomatzsch,  atn  linken  Elbeufer  zu  beiden  Seiten  der
Flüsse  Döllnitz  und  Jahna.  Wawrowski  p.  32.
Den  Bewohnern  von  Mogilin,  nicht,  wie  Laurent  und  Cohn  S.  36  wollen  „den
lügenhaften  Hinterbringern  jener  Meldung“.

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