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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Zeissberg

werde  und  hoffte  vielleicht  unter  günstigen  Umständen  eingreifen  zu
können“.  Es  kam,  wie  Bolestaw  erwartet  hatte.  Denn  Boleslaw  der
Böhme  brach,  da  er  sein  Volk  „fluchwürdigem  Götzendienste  i)  “  ergehen
und  zugleich  in  ruhige  Sicherheit  eingewiegt  sah,  den  wohl  hei  seiner ­
  Wiedereinsetzung  eidlich  gelohten  Friedensbund  2 )  und  vergass
sich  so  weit,  dass  er  alle  Grossen  seines  Landes  sich  in  ein  Haus  versammeln ­
  liess  und  zuerst  seinen  Schwiegersohn  s),  indem  er  ihm  das
Haupt  mit  dem  Schwerte  durchrannte,  tödtete,  sodann  die  übrigen
in  der  heiligen  Quadragesima 4 )  waffenlos,  „er,  der  Blutmensch  und
Ränkeschmied,  der  nicht  einmal  die  halbe  Anzahl  der  ihm  zugemessenen ­
  Tage  zu  leben  verdiente“,  unterstützt  von  seinen  Anhängern
erschlug  5 ).  Hiedurch  erschreckt,  sandten  die  Böhmen  heimlich  Boten
an  den  Polen  Boleslaw,  um  ihm  die  Grösse  des  verübten  Verbrechens
zu  schildern  und  ihn  zu  bitten,  sie  von  ähnlichen  Besorgnissen  zu
befreien.  Der  Polenfürst  lud  jenen  alsbald  6 )  durch  einen  Getreuen  zu
einer  Zusammenkunft  auf  einer  Burg  ?)  ein,  um  mit  ihm  über  einige
notbwendige  und  sie  beide  betreffende  Dinge  sich  zu  besprechen.  Der
Böhme,  als  der  jüngere,  nahm  die  Einladung  an,  kam  mit  einigen  Begleitern ­
  an  den  bestimmten  Ort  und  wurde  von  ihm  zuerst  freundlich
aufgenommen,  in  der  nächstfolgenden  Nacht  aber  von  seinen  eigenen ­
  Leuten  s)  geblendet  und  in  diesem  Zustande  an  einen  fernen  Ort
verwiesen  »).  Am  folgenden  Tage  eilte  BolesJaw  nach  Prag,  wurde

*)  „populum  suum  execrando  ritui  deditum“,  d.  h.  wohl  den  zur  Fastnachtszeit  üblichen ­
  heidnischen  Bräuchen.
2 )  „impietatem  suam  ad  confringenda  foedera  pacis,  quam  sacramentis  finnaverat,
in  tan  tum  armauit“.
3 )  oder  „Schwager,“  da  Thietm.  1.  6.  c.  3.  „gener“  in  dieser  Bedeutung  gebraucht.
4 )  „in  ipsa  sancta  quadragesima“  Palacky  1,  233:  „in  der  Fastnacht“;  so  auch  Röpell
1,116.  aber  mit  Recht  betont  Hirsch,  1,232  a.  1.  dass  dies  nur  eine  wenn  auch  sehr
wahrscheinliche  Vermuthung  sei  und  übersetzt  daher  „heilige  Q.“.  Die  Fasten  1002
fielen  vom  10.  Februar  bis  21.  März  (Palmsonntag).
5 )  Cosmas  a.  d.  1003  „Hie  interfecti  sunt  Wrissovici“  ;  daraus  ersieht  man,  dass  die
getödteten  Yrsovcen  waren.
6 )  „mox“  .
7 )  „ad  condictum  locum“  Thietm.  „in  condicto  loco“  Cosmas.  „ad  Colloquium“
Thietm.  und  Cosm.  Beide  sprechen  an  der  Stelle  auch  von  den  „familiaribus“
des  Böhmenherzogs.
8 )  „familiaribus“;  dass  diese  Blendung  Boleslaw  von  Polen  angeordnet,  wie
Gfrörer,  Allg.  R.  G.  4,  1.  27  annimmt,  sagt  wenigstens  Thietm.  nicht  (s.  u.)
9 )  „exilioque  longo  deputatus  est“;  nicht  zeitlich  zu  fassen,  wie  Laurent  will.  Palacky
            
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