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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Z  e  i  s  s  b  e  r  g

Nachdem  Heinrich  dies  in  Erfahrung  gebracht  und  die  Seinen  <)  dringend ­
  gebeten,  des  Slaven  geheime  Ränke  zu  erforschen  und  wo
möglich  dessen  Kundschafter  aufzufangen,  brach  er  nach  Lothringen ­
  auf,  wo  er  am  8.  September  die  Anerkennung  der  dortigen
Grossen  empfing.  Am  1.  October  (1002)  fand  sich  demüthig  zu
Bruchsal  sein  letzter  Gegner,  Herzog  Herimann  von  Schwaben  ein  und
erbat  sich  Verzeihung  2).  Heinrich  war  nun  in  ganz  Deutschland  als
König  anerkannt.
Indessen  arbeitete  Boleslaw,  der  Merseburg  zürnend  verlassen
hatte,  in  der  bereits  angedeuteten  Richtung  dem  Könige  entgegen,
und  suchte  ihm  Feinde  zu  schaffen  s).  Sein  nächster  Genosse  war
Heinrich,  dessen  Mark  auf  dem  Nordgau,  am  Südwestabhange  des
Böhmerwaldes  lag,  somit  von  BolesJaw’s  Reiche  durch  Böhmen  und
Mähren  geschieden  war.  Es  war  daher  Boleslaw  s  Streben  vor  allem
dahin  gerichtet,  auf  die  Regierung  Böhmens  mittelbaren  oder  unmittelbaren ­
  Einfluss  zu  erlangen.  Die  Zustände  Böhmens  begünstigten
dies  Streben.

II.
Dem  Herzoge  Boleslaw  II.  war  in  diesem  Lande  im  Jahre  999
der  älteste  von  drei  Söhnen,  Boleslaw  III.  gefolgt;  die  jüngeren,
Jaromir  und  Udalrich  wurden  anderweitig  versorgt  4 ).  Boleslaw  III.
wollte,  so  schien  es,  in  die  Fusstapfen  seines  gleichnamigen  grossen
Verwandten  in  Polen  treten  und  sich  und  seinen  Nachkommen  die
Alleinherrschaft  durch  die  Ermordungseiner  Brüder  sichern.  Auch  die
Furcht  5),  bereits  selbst  an  dieselben  die  Herrschaft  zu  verlieren,  trat
hinzu.  Er  liess  also  Jaromir  entmannen  und  als  der  Versuch,  den  jüngeren ­
  im  heissen  Bade  zu  ersticken,  misslang,  vertrieb  er  beide  Brüder
*)  „familiäres“.
2 )  Thietmar  1.  3.  c.  11  —  14.
3 )  „Unter  diesen  war  vielleicht  auch  Herimann,  der  Sohn  Ekkihard’s,  der  sich  wahrscheinlich ­
  bald  darauf  mit  seiner  Tochter  Regilindis  vermalte;  denn  wir  finden,
dass  Boleslaus  im  folgenden  Jahre  das  eben  erwähnte  Strela  verschont,  „quia  dos
erat  filiae“.  V,  22.  N.  Laus.  Mag.  XXX,  9.
Meine  Blfithe  der  nationalen  Dynastien  Wien  1SGG  (3.  Bd.  der  öst.  fiesch  f.  d.
VolkJ  S.  13.
5 )  Thietm.  I.  5.  c.  13.
            
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