Die Kriege K. Heim-. M. mit Herzog IJuiesfaw 1. von Polen. 277
worden war und sich vielleicht eben desshalb dem Herzog Bolesfaw
von Polen näherte. Da nun Bolestaw gut beschenkt, „mit Erlaubnis
des Königs“ die Merseburg verliess und Heinrich ihm das Geleite
gah, sahen sie plötzlich eine bewaffnete Menge vor sich, die ihnen
die Gasse versperrte. Das Gefolge des Polenherzogs, welches vielleicht
den Deutschen misstraute und eine Gefahr für seinen Herrn
befürchtete, war bewaffnet in die königliche Burg eingedrungen, und
aufgefordert, dieselbe zu verlassen, hatte es sich geweigert, dies zu
thun. Die Deutschen, dadurch aufgebracht, griffen zu den Waffen und
drängten gegen die Polen vor. Heinrich und Bolestaw geriethen in
das Getümmel i). Indess hieb sich Heinrich mit seinem Gefährten
Bolestaw durch, indem er das nach aussen führende Thor der Burg
durchstiess. Von den ihnen folgenden Rittern wurden einige verwundet
und entgingen nur durch Herzog Bernhard's Hilfe dem Tode.
Wer hatte, so mussten sich die beiden verletzten Männer wohl
fragen, den Anschlag auf ihr Leben gemacht? War es Zufall, dass er
gerade sie beide traf, die ein ähnliches Interesse verband? Mag immerhin
Thietmar von Merseburg lebhaft betheuern, dass der König um den
Vorfall nichts wusste— gerade diese Betheuerung lehrt uns, dass man
den König im allgemeinen für schuldig hielt und insbesondere mass
Bolestaw ihm die Schuld bei und eilte, nachdem er bei dem Abschiede
dem Grafen Heinrich für den Fall, dass er je seiner Hilfe bedürfen
sollte, diese bestimmt zugesichert, in sein Land zurück 2 ). Als er
aber nach der Burg Strela kam, steckte er sie allsogleich in Brand,
führte eine Menge der Umwohner s ) mit sieh hinweg und suchte zugleich
durch Boten, wen er vermochte, dem Könige zu entfremden.
*) Wawrowski pag. 21 A 2. bemerkt, nicht mit Unrecht, dass Röpell ein zu grosses
Gewicht auf Adalbold lege, auf dessen Darstellung, die eine oft sehr vage Umschreibung
Thietmar’s sei, hin nicht behauptet werden dürfe, Bolesfaw sei gleich vom
Tage an, da er den Eid geschworen, eidbrüchig geworden, sondern, wie aus Thietmar
hervorgehe, erst vom Tage des gegen ihn bewerkstelligten Anschlages an.
Die Ueberschätzung Adalbold’s findet sich auch sonst hei Röpell, während Büdinger
Ö. G. 1, 333 mit Recht bemerkt: „Von Adalhold’s Lehen Kaiser II. II. als einer
nur aus Thietmar abgeleiteten Quelle kann man absehen“. Derselben Ansicht ist an
i allen Stellen Hirsch, besonders I, 318 A. 5 und II, 296 ff.
2 ) Ich bin in der Auffassuug dieses von Thietmar V, 10 geschilderten Vorfalles ganz
Cohn, Ks. II. II, Halle 1867, S. 251 Anm. zu S. 23 gefolgt.
3 ) „comprovincialium“; dass dies „angesiedelte Deutsche“ waren, wie W. von
Giesebrecht II, 24 sagt, ist zweifelhaft.