Über drei in Prager Hs. enthaltene Canonen-Sammiungen.
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II. Eine Sammlung von 294 Oapiteln.
§• 1.
1. Allgemeine Beschreibung.
Der Codex membran. VIII. H. 7., Fol. der k. k. Universitätsbibliothek
enthält 56 Folia; das Pergament ist dick und
sehr fleischig. Über frühere Eigenthümer ergibt sich aus ihm
nichts*). Er ist auf dem Rücken des Einbandes bezeichnet: „De
Urbe Juvaviensi et item Decreti pars“. Der Einband ist von Holz mit
einem Überzüge von gepresstem Leder, das jedoch zur Hälfte
abgeschnitten ist. Die Schrift des ganzen Codex und insbesondere
des hier zu besprechenden Stückes, gehört dem 12. Jahrhundert
an, und geht wohl nicht viel über dessen Mitte hinunter >). Übrigens
haben verschiedene Hände daran geschrieben. Der Codex scheint
schon im 14. Jahrhundert der Universität gehört zu haben. In dem
Kataloge, der um 1370 gemacht wurde, kommt wenigstens „Avianus,“
„Liber de proprietatibus rerum .. Textus de animalibus“ und
„Antiqua compilacio decretalium“ vor, was man wohl auf einzelne
Stücke deuten kann.
Unsere Sammlung a) beginnt Fol. 15 und geht bis 56. Die
Seite hat je 2 Columnen zu 35 Zeilen. Die Überschriften und Anlangsbuchstaben
sind roth, die Schrift sehr schön, das Pergament
*) Watteubach in Pertz’ Archiv X, S. 666 erwähnt den Codex, setzt ihn auch
in’s XII. Jahrh. und vermuthet aus der Federprobe der letzten Seite s. XIII. „Amicorum
suorum karissimo domino H. ven. abbati S. Lamberti“, er stamme vielleicht
aus S. Lambrecht in Steiermark.
Das ae am Ende der Wörter ist dnrehweg e geschrieben, das s durchgehends das
lange, ebenso kommt das lange r oft vor, haee ist regelmässig hec, esse ist gegeben
durch ee, das i ist stets ohne Strichpunkt, ebenso das häufige ü, bei Abkürzungen
am Ende der Zeilen fehlt jeder Bindestrich, con ist nur in dem Worte
constat einigemalen durch das spätere Zeichen ersetzt, sonst ist immer geschrieben
z. B. co’pletus, cu', cum, co’pater, co’munio, co’mlsso, cs’uert e’govimus
c’tulit; am Ende des Wortes wechselt das runde und lange s (s und f); w ist
reines u, z. B. adiuuare; e hat durchwegs oben die scharfe, rechts nach aufwärts
gezogene Spitze; die Linien sind ohne Farbe gezogen. In einein Theile
findet sich ii mit Strichpunkten, mehrfache Abkürzungen von con.
2 ) Vorher geht:
a) Cato, das bekannte Gedicht derselben Zeit („Si deus est animus nobis ut carmina
dicunt“) mit der Einleitung („Cum animadverterim quam plurimos ho-