Schulte, Über drei in Prager Hs. enthaltene Canonen-Sammlungen. 171
Über drei in Prager Handschriften enthaltene
Canonen-Sammlungen.
Von Dr. Friedrich Schulte.
I. Eine aus der Oollectio Anselmo dedicata excerpirte
Sammlung.
Die zu besprechende Sammlung ist enthalten im Codex der
fürstl. Georg Lobkowitz'schen Bibliothek in Prag, signirt
Num. 496, in 8°., saec. XIII, membran. Er gehörte früher dem
Kloster Weissenau („Liber s. Petri A. in Augia. “J, hat 13 Bogen
zu 8 Blättern und noch 5 (4 Blätter; jede Lage ist mit Buchstaben
und Zahlen (a. I.’; n. XIII’) am Ende bezeichnet. Die Schrift läuft
durch die ganze Seite, ohne Columnen; sowohl die einzelnen Zeilen
als auch der linke und rechte Rand sind durch Linien abgetheilt;
durchschnittlich hat die Seite 30 Zeilen. Das Pergament ist stark,
ziemlich weiss, aber nicht sehr glatt.
Auf der zweiten Seite (die erste ist leer und hat nur am oberen
Rande die Worte „über s. Petri A. in Augia.“) beginnt ohne
Überschrift und endigt Fol. 8S 11 eine Zusammenstellung von Excerpten
aus den Schriften der Kirchenväter. Sie hat weder ein bestimmtes
System noeh ist ein fester Zweck ersichtlich; ebensowenig ist
das Ganze durch Rubriken abgetheilt. Die 11 >/ 2 ersten Seiten füllt
ein Tractat über das Wesen Gottes, anfangend: >) Omnipotens
deus, pater et filius et spiritus sanctus, unus atque trinus; unus videlicet
in natura extat, trinus in personis. Solus invisibilis, solus
*) Der eigentliche Tractat, anfangend: „Ubicunque s. scriptura sparsim per divinos
libros in deo motus animae sen huinana membra describit,“ kommt unter dem