Die deutschen Kinderspiele im Mittelalter.
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In Tirol droht man dem weinenden Kinde:
„Bist nicht still.
Holt dich der Putz J ) auf der Dill 2 ).“
Dasselbe Schreckmittel galt einst auch in Baiern:
„mich solte nieman schrecken mit dem Batzen.“
Labers Jagd Str. 357.
„den putzen niht unfruote er vorlit gelich den kinden.“
J. Titurel 1275, 1.
„si sehent mich niht mer an in blitzen wis als sie wilent täten“.
Walther L. 28, 37. Pf. p. 260.
Auch drohte man ihnen geradezu mit dem Manne, worunter man
wohl ursprünglich einen wilden Mann meinte. So sagt Geiler: „Wenn
daz kind sein muoter im liauß behalten wil, so spricht sy:
Gang nit liinauß,
Der man ist drauß“ s ).
Wie man heutzutage den Kindern Sprechübungen 4 ) vorsagt,
um ihre Zungen geläufiger zu machen, so geschah dies auch in früherer
Zeit, denn mehrere derselben finden wir aufgezeichnet, z. B.
„ein flig die prewt ein praw von pir 5 ).“
„Item unverworren sol mit verworren unverworren sein,
so bleibt unverworren mit verworren unverworren 6 ).
Wenn wir wern, wo wir wolten, wer wais wo wir wern 7 ).“
Dem Spruche:
„Wenn mancher Mann wüsste,
Was mancher Mann war,
Gab mancher Mann manchem Mann
Manchmal mehr Ehr“
begegnen wir schon im Liederbuche der CI. Hätzlerin LXIX, und der
Mystiker Ruolmar Merswin schrieb ihn an den Schluss seiner Predigtbücher
anno 1465 8 ).
*) Vgl. Grimm Mythol. 474. Grimm WB. II, 588. Schöpf 7i, Schmeller I, 229.
s ) Dachboden s. Schöpf 83.
3 ) Predigten (Augsburg 1308) BI. 24.
4 ) Vgl. Simrock Kinderbuch p. 278. Stöber, Volksbüchlein p. 37. Bochholz p. 23.
5 ) Keller, Erzähl. 492, 26.
6 ) Keller, Fasnachtspiele p. 1437.
7) Ebendort p. 1437.
8 ) Vgl. Grieshaber, altd. Pred. 2, VIII.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LVII. Bd. I. Hft.
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