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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Z  i  n  g  e  r  I  e

Zwei  eins  uf  den  flaz  schreit,
Zwei  spilten  blinder  muosen,
Zwei  die  wolten  luossen,
Zwei  die  wolten  singen  sagen,
Zwei  begunden  loufen,  iagen,
Zwei  spilten  in  den  kreizen,
Zwei  die  riten  beizen,
Zw’ei  begunden  sich  smucken,
Zwei  spilten  der  fulen  brücken,
Zwei  wolten  mit  eigern  klucken,
Zwei  begunden  zuosamen  rucken,
Zwei  halsten  mit  I  uste,
Zwei  einz  daz  ander  koste.“
Wir  schliessen,  nachdem  wir  das  uns  Bekannte  über  das  Kinderspiel ­
  und  dahin  Einschlägiges  mitgetheilt  haben,  noch  einiges  an,
was  in  das  Bereich  der  Kinderwelt  gehört.  Das  gewöhnliche  Zuchtund
  Schreckmittel  der  Ruthe,  die  im  Mittelalter  ein  Hauptmittel  der
Erziehung  bildete,  hat  Rochholz  ausführlich  besprochen  in  dem  Aufsätze: ­
  die  Ruthe  küssen  <)•  Lonicerus  führt  den  weitverbreiteten
alten  Reim  an:
„0  du  gute  Birkenruth,
Du  machst  die  ungehorsame  Kinder  gut  2 )“
Ausserdem  wurden,  um  Kinder  zu  Ruhe  und  Gehorsam  zu
bringen,  Drohworte  und  Schreckbilder  gebraucht,  wie  heutzutage.
Wie  man  jetzt  das  Kind  mit  den  Worten  geschwelgt:  „Bist  du  nicht
still,  kommt  der  Wolf  und  frisst  dich“,  geschah  dies  schon  in  früher
Zeit.  Boner  erzählt  uns,  wie  eine  Frau  ihr  weinendes  Kind  durch  ein
Ei  beschwichtigen  wollte.  Als  dies  nicht  verfieng,  sprach  sie:
„swig,  min  liebcz  kint!
swigest  nicht,  der  wolf  dich  nint;
dem  wil  ich  dich  schiere  geben,
swig,  wiltu  behaben  din  leben.  Nr.  63,  9.

*)  Germania  I,  134.  AI.  Kinderlied  513.
2 )  Kränterbuch  (1630)  94.
            
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