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Z i n g e r I e
Zwei eins uf den flaz schreit,
Zwei spilten blinder muosen,
Zwei die wolten luossen,
Zwei die wolten singen sagen,
Zwei begunden loufen, iagen,
Zwei spilten in den kreizen,
Zwei die riten beizen,
Zw’ei begunden sich smucken,
Zwei spilten der fulen brücken,
Zwei wolten mit eigern klucken,
Zwei begunden zuosamen rucken,
Zwei halsten mit I uste,
Zwei einz daz ander koste.“
Wir schliessen, nachdem wir das uns Bekannte über das Kinderspiel
und dahin Einschlägiges mitgetheilt haben, noch einiges an,
was in das Bereich der Kinderwelt gehört. Das gewöhnliche Zuchtund
Schreckmittel der Ruthe, die im Mittelalter ein Hauptmittel der
Erziehung bildete, hat Rochholz ausführlich besprochen in dem Aufsätze:
die Ruthe küssen <)• Lonicerus führt den weitverbreiteten
alten Reim an:
„0 du gute Birkenruth,
Du machst die ungehorsame Kinder gut 2 )“
Ausserdem wurden, um Kinder zu Ruhe und Gehorsam zu
bringen, Drohworte und Schreckbilder gebraucht, wie heutzutage.
Wie man jetzt das Kind mit den Worten geschwelgt: „Bist du nicht
still, kommt der Wolf und frisst dich“, geschah dies schon in früher
Zeit. Boner erzählt uns, wie eine Frau ihr weinendes Kind durch ein
Ei beschwichtigen wollte. Als dies nicht verfieng, sprach sie:
„swig, min liebcz kint!
swigest nicht, der wolf dich nint;
dem wil ich dich schiere geben,
swig, wiltu behaben din leben. Nr. 63, 9.
*) Germania I, 134. AI. Kinderlied 513.
2 ) Kränterbuch (1630) 94.