154
Z i d g e r 1 e
dann bei Geiler: „Wan man sitzt und die liend umb einander
wicklet und machet zirlin, mirlin, gaßentirlin“ *) und: „Wan die
feigen weiber müssig gon, so lofen sie von einem winke] in den andern,
dan under der thiir und machen zirlin mirlin, gartenthürlin,
und stopfen dan mit dem messer in ein klinsen, und kumt dan ander
leckerei nach“-).
Die Erinnerung an dies Spiel hat sich in mehren Kinderreimen
erhaltens). Fischart kennt auch das Spiel: „Steinverbergen“, das in
Aargau als „Steinli-gä“, in der Wetterau als „Blinkeblank, in welcher
Hand?“ fortlebt 4 ).
Eines der einfachsten und bekanntesten Spiele ist das „Lachen
verhalten“ oder „Gramüseli machen“ 5). Fischart nennt es: „Seid
Ihr Braut von Schmollen, so lacht mir eins“, „Ungelacht pfetz
ich Dich“.
Das Blindekuhspiel 6 ), welches schon den Griechen bekannt
war’), wird in „der Tugenden Schatz“ erwähnt:
„zwei spilten blinder muosen“ s ).
Bei Fischart heisst es: „Es laufft eine Mauß die Mauer auf. —
Blindenmauß“. In Geilers Schriften finden wir: „spilent der blinden
miis“ (Bilg. 9 a ), „spilet der blinden maus mit den knechten“ (Spinnerin
65“). Schon Otfried scheint dies Spiel im Sinn zu haben, wenn
er bei Verspottung des Heilandes IV. 19, 73. sagt:
„tliiu ougun si imo buntun, thaz in zi spile funtun“.
Ein Fingerspiel, das der italienischen Morra verwandt ist, war
das von Fischart genannte „Eselin beschlagen“. Auf dasselbe oder
ein verwandtes Spiel beziehen sich die Verse:
„Wiltu danne vinger zeln,
so machtu dir erweln
ains ze frägent nach dinem sinne.“
Liedersaal II p. 214.
*) Von den 15 staffeln. BI. 17.
2 ) Emeis BI. 25. Mone Anzeiger IV, 151.
3 ) Stöber, Volksbüchlein No. 127 und 293.
4 ) Rochholz 428. 429. Vgl. Haupt, Zeitschrift VI, 485.
5 ) Rochholz 430.
6) Vgl. Rochholz 431.
7 ) Becker, Charikles I, 33. Aus dem Kinderleben 26. Meier No.409. Grimm, Wörterbuch
II, 122.
8 ) Altswert 90, 12.