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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Z  i  n  g  e  r  I  e

„ouch  treip  man  umbe  als  einen  bal
ir  lop  in  deme  riche.“  Engelhart  780.
„wirfet  er  si  hin  und  her  als  einen  bal.“  MSH.  II,  361“.
Dass  vorzüglich  junge  Leute  und  Kinder  sich  am  Ballspiele  erlustigten,
  bezeugen  uns  nebst  vielen  andern  folgende  Belege:
ir  herzen  blicke  in  dem  sal
hin  und  her  reht  als  ein  bal
giengen  ,  da  diu  kint  mite
spilnt  nach  kintlichem  site.“  Heinrieh’s  Tristan  2645.
„und  ir  al  den  liuten
gar  werdet  zeinem  schalle,
als  dö  mit  dem  balle
tribent  (kint)  kintliehen  spot.“  Von  zwei  Kaufleuten  581.
louf  an  die  sträze  zuo  den  kinden,  wirf  den  bal.  MSH.  II,  77 b .
Neben  dem  Ballspiele  bildete  das  Reihenspringen  die  Hauptunterhaltung ­
  der  Jugend  in  der  schönen  Jahreszeit.  Dass  die  Kinder,
die  stäts  gerne  laufen,  springen  und  tanzen  i),das  Beispiel  der  altern
nachahmten,  kann  nicht  bezweifelt  werden.  Die  Kinder  setzen  ja
heutzutage  noch  den  alten  Reihentanz  fort  ä),  den  der  Bauer  längst
aufgegeben  hat,  und  die  bekannten  Kinderreime:  „Ringe,  ringe,
reihe“  etc.,  „Ringel,  ringel,  rosenkranz“  3 )  und  ähnliche  beweisen
durch  ihre  weite  Verbreitung,  dass  es  altererbte  Reihenlieder  sind,
die  weit  zurück  reichen  müssen.

1 )  „manges  spils  diu  kint  begunden:
eine  liefn,  die  andern  Sprüngen.“  Br.  Philipp,  Marienleben  4334.
2 )  Vgl.  Rochholz  369.
3 )  Simrock,  Kinderbuch  p.  200.  201.  Aus  dem  Kinderleben  p.  35.  56.  Meier,  Kinderreime ­
  p.  97.  Zingerle,  Sitten  p.  158.  —  Mannhärt,  germanische  Mythen  506.
507.  513  ff.  Rochholz  183.  Müllenhof  p.  484.  Ein  ähnliches  Kinderlied  aus  Neapel:
„A  la  rota,  a  la  rota“
theilt  Liebrecht  mit  im  Pentamerone  des  Giambattista  Basile  I,  404.  Schneller
gibt  folgendes  Liedchen  aus  Wälschtirol  :
„Ghinghiringaja
sotto  la  paja,
sotto’l  pajoin
scappa  chi  pol.“  Sagen  p.  252.
            
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