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Z i n g e r 1 e
Eingang <)> un( l der Halm ward ein so allgemeines Mittel, das Loos
zu ziehen, dass man geradezu sagte: „Wir wollen den Halm ziehen“
auch wenn kein Halm zum Loosen gebraucht wurde, und noch heutzutage
die oft gebrauchte Redensart: „den Kürzern ziehen“ davon
herrührt 2 ).
Wenn die Erdbeeren in Reife stehen, gehen die Kinder solche
suchen am sonnigen Rain oder im Holzschlage. Diese Kinderlust
beschreibt uns der wilde Alexander:
„Seht dö lief wir ertber suochen
von der tannen zuo der buochen
über stoc und über stein
der wile daz diu sunne schein,
dö rief ein waltwiser
durch diu ri'ser:
„wol dan, kinder, und gät hein“
die juncfrou sprach: „nain ich uf die triuwe min,
ich wii iuch baiden gemaine sin
an allen falschen gedanc.
ich mach ains kurz, daz ander lanc“.
„weders wil nu ziechen an?
daz Ienger sol gewunnen han.“
„daz wil ich“ sprach die minneclich
und graif nach dem für mich.
daz selb wolt ich genomen han.
die juncfrou winct mir, ich soltz ir län.
dö graif ich bald nach ienem dö,
und zuctz an mich, ich wart dö frö
und sprach: „ich han daz Ienger gras.““ 1 p. 145.
„iu wirt daz helmel vür gezogen.“ HGA. 49, 1190.
Die Stelle: „Ritter und iuncfröwelin
sicht man des gräslins spilen.“ Liedersal II p. 214 deutet auf
dieses Spiel.
*) In einer Urkunde v. 1403 heisst es: „ab sy des ein werden mögen, mochten si aber
des nit eins werden, so sullen di darumb ider einen halmen zihen ongeverde vss
einem dache oder schoube. welcher dan den lengesten halmen zuge, der solde die
kure haben, vnder den zweien ie einen kysen zu einen oberman. Haitaus Glossar
p. 782. Vgl. Grimm, Rechtsalterthiimer 126.
2 ) Lütolf, Sagen p. 376. Übers Halmziehen und messen s. Simrock, Gedichte
Walthers von der Vogelweide (1833) 1, 195. Die richtige Erklärung des Halmpiessens
gibt Pfeiffer, Walther p. 51.