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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Z  i  n  g  e  r  1  e

die  Kinderlieder  ')>  die  auf  diese  Vögel  Bezug  haben,  stehen  wohl
theilweise  mit  dieser  Sitte  in  Verbindung  und  mögen  weit  zurückreichen.
  Auch  der  erste  Maikäfer  wurde  feierlich  eingeholt  2 )  und  es
war  wohl  schon  damals  eine  Unterhaltung  der  Knaben,  die  Maikäfer
und  Hirschschröter  einzufangen  und  sie  an  einem  Faden  fliegen  zu
lassen  s).
Die  bezüglichen  Kinderreime  *)  gehen  wohl  weit  zurück,  wenn
wir  dies  auch  nicht  durch  Zeugnisse  belegen  können.  Auch  die  noch
bis  in  die  neueste  Zeit  fortdauernde  Sitte,  dass  Kinder  den  Einzug
des  Frühlings  mit  dem  Sommer-  und  Winterspiele  feierten,  reicht
tief  in  das  Mittelalter  hinab  5 ).  Der  Frühling  brachte  den  Kindern
auch  unzählige  andere  Unterhaltungen,  wie  heutzutage.  Die  allver-  *
breitete  Sitte,  dass  sich  Knaben  Schalmaien  drehen  und  den  Frühling
einblasen  ß ),  muss  sehr  alt  sein.  Das  Blasen  auf  den  Blättern,  an
dem  sich  Kinder  gerne  erlustigen  7 ),  erwähnt  schon  Wolfram:
„er  brach  durch  blates  stimme  eil  zwic.“  Parz.  120,  13.
Wenn  die  Birken  im  Safte  stehen,  ziehen  die  Kinder  zu  denselben, ­
  bohren  sie  an  und  schlürfen  den  auslliessenden  Saft.  Uber
diese  alte  Kinderfreude  berichtet  uns  schon  Megenberg:  „Ich  waiz
wol  in  dem  maien,  wenn  der  pgum  gar  saffig  ist  und  man  einen  span
dar  auz  hawet,  so  vleuzt  gar  vil  saffes  dar  auz,  und  trinken!  ez  diu
klainen  kint  auf  dem  gäw,  wan  ez  ist  süez  und  stinkt  niht.“  p.  331
—  Und  welche  Lust  gewähren  die  Blumen  des  Feldes  den  Kindern!
Sie  suchen  die  Schönste,  sammeln  Sträusse  oder  winden  Kränze.
Dieses  Kindertreiben  schildert  uns  schon  der  wilde  Alexander:
„Ich  gedenk  wol  daz  wir  sazen
in  den  bluomen  unde  mäzen
*)  S.  Simrock,  Kinderbuch  p.  146.  Kuhn,  westfal.  Sagen  II,  72.  Wolf,  Zeitschrift  II,
114.  Stöber,  Volksbiichlein  77.  78.  Leoprechting  83.  Rochholz  82.  83.  Meier,
Kinderreime  28.  31.  Kinderleben  (Oldenburg  1851)  94.  95.
а )  Grimm  Mythologie  657.  723.
3 )  Käfer  an  Fäden  fliegen  zu  lassen  war  schon  der  römischen  und  griechischen  Jugend
bekannt.  Bekker,  Gallus  I,  33.  Mannhardt,  germanische  Mythen  369.
4 )  Simrock,  Kinderbuch  p.  139  ff.  Meier,  Kinderreime  p.  24.  25.  Stöber,  Volksbüchlein ­
  83.  Mannhardt,  germanische  Mythen  348.  349.  350.  351.
5 )  Vgl.  Grimm,  Mythologie  724.
б )  Kinderleben.  (Oldenburg  1851)  47.  Schöpf  412.  Stalder  II,  193.
7 )  Kinderleben  48.
8 )  Vgl.  Lonicerus,  Kräuterbuch  (Frankfurt  1630)  p.  94.
            
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