Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

138

Z  i  n  g  e  r  I  e

so  loufent  sie  nü  peltlich  hervor
und  spotten  der  liute  in  sclialkes  sitten.  Renner  12570.
Das  Sprichwort  „Kinder  sind  kleine  Schälke“  hatte  somit  schon
damals  seine  Geltung,  wie  noch  heutzutage.
Die  schönste  Freudenzeit  der  Kinder  begann  aber  im  Frühlinge,
wenn  der  Schnee  schwand,  die  Saaten  und  Wiesen  zu  grünen  anfiengen
  und  die  ersten  Blumen  sich  zeigten.  Ein  neues  Lehen  erwachte
dann  für  Gross  und  Klein,  das  die  Minnesänger  zu  preisen  nicht  müde
werden.  Sie  fordern  auch  die  Jugend  auf  zu  fröhlichem  Reigen,
lustigem  Ballspiele  und  heiterem  Gesänge  ').  Dass  die  Kinder  hinter  der
allgemeinen  Frühlingslust  nicht  zurückhlieben,  ja  dieselbe  mit  ihren
Spielen  doppelt  genossen,  wie  heutzutage,  darf  man  nicht  bezweifeln.
Die  ersten  Spiele,  daran  sich  die  Knaben  am  Beginne  des  Frühlings
erfreuen,  sind  das  Kreiselschlagen  und  das  Schussern  (Specken,
Spickern).  Der  Kreisel,  den  die  Griechen  und  Römer  als  Kinderspielzeug ­
  schon  kannten  2 ),  wird  von  unsern  Dichtern  öfters  genannt.
Der  Topf  —  dies  war  sein  gewöhnlicher  Name  —  wurde  mit  einer
Geisel  umgetrieben.  Wolfram  sagt:
„sol  iemen  bringen  uns  den  köpf,
hie  heit  diu  geisel,  dort  der  topf:
lätz  kint  in  umbe  triben:
so  lobt  manz  vor  den  wiben“.  Parz.  150,  15.
und  im  Gedichte  „Übles  Weib“  liest  man:
„ez  gevvan  nie  topfe
vor  geisein  sollien  umbeswanc,
als  si  mich  äne  minen  dane
mit  siegen  umb  und  umbe  treip.  v.  692  s).
Dies  Spiel  war  so  allgemein  bekannt,  dass  es  bei  Vergleichen
sprichwörtlich  wurde,  z.  B.:
„daz  ich  gie  umbe  als  ein  topf“.  Übles  Weib  319.
„daz  er  gie  umbe  als  ein  topf“.  Liedersaal  2,  244.
„daz  er  gieng  umb  als  ein  topf“.  Gr.  Wolfdietrich  860,  4.
*)  Vgl.  Walther  L.  51,  21.  Neidhart  13,  18.  15,  35.  28,  7  etc.
2 )  Charikles  I,  33.  RochhoIz419.
8 )  Vgl.:  „nim  einen  topf  vür  würfelspil.“  Cato  Z.  p.  32.
»zuo  spil  dir  einen  dop  begade,
von  würfelspil  dir  komt  schade.“  Cato  Z.  p.  165.
Wenn  der  hischof  den  topf  treibt.  Vintler.  Haupt  Zeitschr  IX,  117.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.