Das deutsche Kinderspiel im Mittelalter.
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sit wir der netze niht enhaben,
so sul wir wier graben
und leiten wazzer dar in
und bergen uns dort hin,
daz si uns iht ensehen.
so wir danne erspehen,
dazs komen in unsern bacli,
so sol uns wesen gäch
verloufen in die rinnen,
so mugent si uns niht entrinnen.“
der rät geviel den kinden wol
als kinden kintheit sol.
si begunden wider einander graben,
ir deheinez wolte haben
mit dem andern iht gemeine
niwan si'nen wier eine.“ etc.
Kindheit Jesu F. 1507, H. 98, 83 t).
Ganz dem Kinderleben entnommen ist es, wenn Bruder Philipp
erzählt, wie Kinder sich damit unterhielten, dass sie Wasser schöpften
und es ausgossen:
„Dar nach kom der kinde vil
alle dar ze einem spil.
si truogen alle krüegelin
und schepften wazzer dar in,
si trunken unde guzzen üz.“ Marienleben 4454.
Ein beliebtes Spiel der Kinder am Gewässer ist, Steinchen über
das Wasser tanzen zu lassen. Fischart führt uns dieses schon unter
dem Namen „deß plättlins“ auf. (Gargantua c. 25.)
Dass die Kinder nicht nur an Spielen und Spieltand Gefallen
fanden, sondern sich auch an fremden Leuten erlustigten, berichtet
uns H. von Trimberg:
„So wilent kleiniu kinder sähen
fremde liut, die begonden gäben
und verbürgen sieh hinter die tor
') Vgl. Marienleben von Bruder Philipp 4488 ff. Walthers von Rheinau Marienlehen
Bl. 96.