Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

132

Z  i  n  g  e  r  I  e

ouch  half  in  sere,  daz  diu  kint
so  lihte  ze  gewenenne  sint.
er  g'ewan  ir,  swaz  er  veile  vant,
spigel  tinde  harbant,
und  swaz  kinden  liep  sol  sin,
giirtel  unde  vingerlin.“  Arm  Heinrich  328  IT.
Kruseln,  Bickelsteine,  Ringlein  werden  hier  namentlich  aufgeführt.
  Ganz  charakteristisch  ist  die  obige  Aufzählung  der  Habseligkeiten ­
  im  Munde  des  naiven  Mädchens,  denn  ohne  Zweifel  bewahrten
die  Mädchen  ihren  Spieltand  sorgfältiger  auf,  als  die  Knaben,  wie
Sorgfalt  und  Sparsamkeit  künftigen  Hausmüttern  geziemt.  Der  künftige ­
  Beruf  der  Mädchen  ward  auch  schon  in  ihrem  Spiele  mit  den
Tocken  angedeutet.  Sie  üben  sich  ja  an  den  Puppen  im  voraus  an
die  künftigen  Mutterpflichten.  Das  Spiel  mit  den  Tocken  ■)  wird  oft
erwähnt  oder  es  wird  darauf  angespielt.  In  Mai  und  Beaflor  heisst  es:
„du  waere  noch  in  der  lügende,
daz  man  dich  mit  den  tocken
billich  noch  solde  locken.“  175,  40.
und  H.  von  Labers  singt:
„der  tocken  wol  mit  im  ze  spilen  waere,
als  ie  diu  kint  erdenkent
durch  zitvertriben  gämelicher  maere.“  Jagd  331.
Am  öftesten  erwähnt  aber  die  Tocken  Wolfram  von  Eschenbach,
der  wohl  an  die  Puppenfreude  seiner  eigenen  Tochter 2 )  dabei
dachte,  wie  er  es  einmal  ausdrücklich  thut:
„miner  toliter  tocke
ist  unnäch  so  sclioene.“  Willehalm  33  ,  24.
In  Parz.  372,  IS  lesen  wir:
„des  burcgräven  tohterlin
diu  sprach:  „nu  saget  mir,  frouwe  min,
wes  habt  ir  im  ze  gebne  wän?
sit  daz  wir  niht  wan  tocken  hän,

O  Tocke  ist  der  alte  deutsche  Ausdruck,  während  das  Wort  Puppe,  wenn  nicht
durch  das  lat.  puppa,  durch  das  Französische  nach  Deutschland  gekommen  ist.  Im
Althochdeutschen  begegnet:  tocha,  tohcha,  toccha,  doccha  in  der  Bedeutung  des
lat.  puppa.  Graff,  althd.  Sprachschatz  VI,  364.
2 )  Siinrock  760.  —  Holland,  Geschichte  der  altdeutschen  Dichtkunst  in  Bayern  129.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.