Das deutsche Kinderspiel im Mittelalter.
127
suochen zeime holen berc,
da dienet iu vil getwerc
und ir vindt kurzwile vil:
vogelsanc und seitenspiel. Laurin E. 1290.
darauf hin, so bestätigen uns dies schlagend die Belege :
„vil manege seiten suoz erklungen
vil manige vogel lieplich sungen,
vil manige busün lut erhal
in des rieben kiiniges sal.“ Laurin E. 1439.
„Von in wart kurzwile harte vil getan,
ir liebten seiten klungen dö froelich sunder wän.
nahtegal und galander sungen wider strit
vil faste wider einander zuo der selben zit *)“•
Gr. Wolfdietrich 1407.
und an einer andern Stelle desselben Gedichtes sind die Käfige ausdrücklich
genannt:
„die vögel iu kefigen sungen. waz mohte bezzers gesin?“ 1374.,
wie wir auch auf den Bildern des Walther von der Vogelweide in der
Pariser und Weingartner Handschrift 2) einen Vogelkäfig sehen. Neidhart
kennt den Ausdruck: „vogelhüs“.
„Swer einen vogel liaete,
der mit sänge dur daz jär
sinen willen taete,
dem solt er underwilen zuo dem vogelbuse sehen
und gaebe im guote spise;“ 84, 32 ff. 3)
Auf zahme, abgeriehtete Vögel deutet das schon vom Kürenberger
gebrauchte Sprichwort:
„wip und vederspil,
die werdent lihte zam“. MSF. 10, 17.
das uns auch im Renner:
') Das geschah in einem Saale.
2 ) MSB. IV, 161“.
3 ) Über anderweitiges Vorkommen dieses Wortes s. Mhd. WB. I, 740". Damit ist Al.
Schultz, der in seiner Schrift: Über Bau und Einrichtung der Hofburgen, p. 31
sagt: „mir ist kein Beispiel aus mittelalterlichen Schriftstellern bekannt, dass von
gefangenen Singvögeln erzählt würde“ hinreichend widerlegt.