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gangssprache zwar denkbar, eine andere Frage jedoch ist die Zweckmässigkeit
und Nothwendigkeit. Hinsichtlich des Ersteren ist es
für jeden Kundigen einleuchtend, dass Werke des Geschmacks und
des Geistes wie Poesien, Reden, philosophische Abhandlungen und
Ähnliches durch eine Übertragung in die Volkssprache gründlich
verdorben werden und in einer ganz verschiedenen Gestalt erscheinen
würden. Aber auch wissenschaftliche Werke würden durch eine
solche Umarbeitung an Deutlichkeit und Brauchbarkeit nicht gewinnen,
sondern verlieren.
Zur Beurtheilung der Nothwendigkeit genüge die Anführung des
Umstandes, dass vieles in der Schriftsprache Geschriebene allerdings
sehr schwer verständlich ist, und dass diese Schwierigkeit durch
eine Paraphrase beseitigt werden könnte. Manches hingegen ist sehr
leicht und seihst dem wenig Gebildeten verständlich, woraus sich
auch die Gewohnheit erklären lässt, die für den allgemeinen Gebrauch
bestimmten Bücher z. B. Kalender und die in denselben enthaltenen
Aufsätze in keiner andern Schreibart zu verfassen. Beiläufig werde
gesagt, dass die in den Büchern sich entgegenstellenden Schwierigkeiten
gewöhnlich schwinden, sobald man sich mit dem Gegenstände
und den betreffenden Ausdrucksweisen vertraut gemacht hat.
Das grösste Bedenken gegen die Einführung des phonetischen
Systems ist, dass dieselbe die Vernichtung der gesammten chinesischen
Literatur im Gefolge haben, und dass eine neue Literatur,
welche im Anfänge nur aus verschiedenen Tractaten kirchlichen und
populär-wissenschaftlichen Inhalts bestehen würde, erst aus den
Volksdialekten geschaffen werden müsste. Wer dann dessen ungeachtet
zu einer Kenntniss der früheren Literaturwerke gelangen
wollte, wäre nach wie vor gezwungen, das Studium der Schriftsprache,
gewiss aber mit geringeren Hilfsmitteln als bisher, zu
unternehmen. Die etwaige Meinung jedoch, dass die chinesischen
Literaturwerke der Kenntniss nicht werth und nur dasjenige, was
Europäer künftig chinesisch schreiben sollten, Beachtung verdiene,
dürfte kaum von irgend einem Gebildeten getheilt werden.
Über die Natur der Schwierigkeiten der chinesischen Sprache
werden von Männern, denen in der Sache am meisten ein Urtheil
zukommt, gewöhnlich Angaben gemacht, welche den Unkundigen
in vorgefassten Meinungen bestärken und zu dem Studium unbegründeter
Weise aufzumuntern oder von demselben abzuschrecken ge-