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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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Pf  i  z  m  a  i  er

gangssprache  zwar  denkbar,  eine  andere  Frage  jedoch  ist  die  Zweckmässigkeit ­
  und  Nothwendigkeit.  Hinsichtlich  des  Ersteren  ist  es
für  jeden  Kundigen  einleuchtend,  dass  Werke  des  Geschmacks  und
des  Geistes  wie  Poesien,  Reden,  philosophische  Abhandlungen  und
Ähnliches  durch  eine  Übertragung  in  die  Volkssprache  gründlich
verdorben  werden  und  in  einer  ganz  verschiedenen  Gestalt  erscheinen ­
  würden.  Aber  auch  wissenschaftliche  Werke  würden  durch  eine
solche  Umarbeitung  an  Deutlichkeit  und  Brauchbarkeit  nicht  gewinnen, ­
  sondern  verlieren.
Zur  Beurtheilung  der  Nothwendigkeit  genüge  die  Anführung  des
Umstandes,  dass  vieles  in  der  Schriftsprache  Geschriebene  allerdings
sehr  schwer  verständlich  ist,  und  dass  diese  Schwierigkeit  durch
eine  Paraphrase  beseitigt  werden  könnte.  Manches  hingegen  ist  sehr
leicht  und  seihst  dem  wenig  Gebildeten  verständlich,  woraus  sich
auch  die  Gewohnheit  erklären  lässt,  die  für  den  allgemeinen  Gebrauch
bestimmten  Bücher  z.  B.  Kalender  und  die  in  denselben  enthaltenen
Aufsätze  in  keiner  andern  Schreibart  zu  verfassen.  Beiläufig  werde
gesagt,  dass  die  in  den  Büchern  sich  entgegenstellenden  Schwierigkeiten ­
  gewöhnlich  schwinden,  sobald  man  sich  mit  dem  Gegenstände
und  den  betreffenden  Ausdrucksweisen  vertraut  gemacht  hat.
Das  grösste  Bedenken  gegen  die  Einführung  des  phonetischen
Systems  ist,  dass  dieselbe  die  Vernichtung  der  gesammten  chinesischen ­
  Literatur  im  Gefolge  haben,  und  dass  eine  neue  Literatur,
welche  im  Anfänge  nur  aus  verschiedenen  Tractaten  kirchlichen  und
populär-wissenschaftlichen  Inhalts  bestehen  würde,  erst  aus  den
Volksdialekten  geschaffen  werden  müsste.  Wer  dann  dessen  ungeachtet ­
  zu  einer  Kenntniss  der  früheren  Literaturwerke  gelangen
wollte,  wäre  nach  wie  vor  gezwungen,  das  Studium  der  Schriftsprache, ­
  gewiss  aber  mit  geringeren  Hilfsmitteln  als  bisher,  zu
unternehmen.  Die  etwaige  Meinung  jedoch,  dass  die  chinesischen
Literaturwerke  der  Kenntniss  nicht  werth  und  nur  dasjenige,  was
Europäer  künftig  chinesisch  schreiben  sollten,  Beachtung  verdiene,
dürfte  kaum  von  irgend  einem  Gebildeten  getheilt  werden.
Über  die  Natur  der  Schwierigkeiten  der  chinesischen  Sprache
werden  von  Männern,  denen  in  der  Sache  am  meisten  ein  Urtheil
zukommt,  gewöhnlich  Angaben  gemacht,  welche  den  Unkundigen
in  vorgefassten  Meinungen  bestärken  und  zu  dem  Studium  unbegründeter ­
  Weise  aufzumuntern  oder  von  demselben  abzuschrecken  ge-
            
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