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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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Aschbach

manche  behaupten,  dürfte  eine  ziemlich  unverbürgte  und  daher  auch
zu  verwerfende  Nachricht  sein  ')•  Wäre  Celtes  in  Wahrheit  der
erste  gewesen,  welcher  die  Phädrischen  Fabeln  ans  Licht  gestellt,
so  würde  allerdings  die  Provenienz  dieselben  verdächtig  machen  3 ),
da  der  gekrönte  Dichter  sonst  sich  mehrfache  litterarische  Täuschungen ­
  hat  zu  Schulden  kommen  lassen.

Conrad  Celtes  lebte  in  einer  Zeit,  wo  in  Deutschland  und
Frankreich  wie  in  Italien  eine  wahrhafte  Jagd  nach  alten  Handschriften ­
  und  deren  Veröffentlichung  durch  den  Druck  an  der  Tagesordnung ­
  war  und  zwar  forschte  man  nicht  allein  nach  Codices  der
classischen  Litteratur,  sondern  auch  nach  Manuscripten,  welche  das
frühere  Mittelalter  betrafen.  Wichtige  alte  Schriften  zuerst  zu  ediren,
wurde  nicht  nur  für  höchst  verdienstlich  erachtet,  sondern  machte
auch  einen  Namen.  Talentvolle  Gelehrte,  welchen  keine  alten  Codices
zu  Gebote  standen,  fabricirten  nicht  selten  mit  Geschick  Schriften,
welche  sie  für  Werke  alter  Scribenten  ausgaben  und  erlangten  durch
ihre  Veröffentlichung  Ruf  in  solchem  Grade,  wie  sie  durch  Herausgabe ­
  ihrer  eigenen  Schriften  unter  ihrem  Namen,  ihn  kaum  hätten
erreichen  können.
Ein  so  begabter  Dichter,  wie  Celtes  war,  der  aus  kaiserlichen
Händen  den  Apollinarischen  Lorber  empfangen  hatte,  konnte  die  mit
seinem  Namen  versehenen  eigenen  poetischen  Productionen  grösseren
Umfangs  lange  nicht  zum  Drucke  bringen.  Endlich  gelang  es  ihm
einen  Theil  derselben,  die  libri  Amorum  oder  Reisebilder,  mit  kaiserlicher ­
  Unterstützung  zu  veröffentlichen  im  Jahre  1S02.  Seine  Oden  und

t)  Saxii  Onomastie.  litterar.  II.  p.  Ü02.  Christ,  Prolnsio  de  Phaedro  ejusque  fubulis.
I.ips.  1746.
Endlicher  in  Hormayrs  Archiv  XII.  S.  418  verwirft  mit  Recht  die  Angabe,  dass
Celtes  die  Phädrischen  Fabeln  anfgefunden  habe,  aber  seiner  beigefügten  Bemerkung ­
  ist  nicht  beizustiminen:  „Wenn  die  Sache  (mit  der  Auffindung  durch  Celtes)
richtig  wäre,  so  würden  die  Zweifel  an  der  Echtheit  der  Phädrischen  Fabeln  gehoben ­
  sein.“
            
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