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Aschbach
manche behaupten, dürfte eine ziemlich unverbürgte und daher auch
zu verwerfende Nachricht sein ')• Wäre Celtes in Wahrheit der
erste gewesen, welcher die Phädrischen Fabeln ans Licht gestellt,
so würde allerdings die Provenienz dieselben verdächtig machen 3 ),
da der gekrönte Dichter sonst sich mehrfache litterarische Täuschungen
hat zu Schulden kommen lassen.
Conrad Celtes lebte in einer Zeit, wo in Deutschland und
Frankreich wie in Italien eine wahrhafte Jagd nach alten Handschriften
und deren Veröffentlichung durch den Druck an der Tagesordnung
war und zwar forschte man nicht allein nach Codices der
classischen Litteratur, sondern auch nach Manuscripten, welche das
frühere Mittelalter betrafen. Wichtige alte Schriften zuerst zu ediren,
wurde nicht nur für höchst verdienstlich erachtet, sondern machte
auch einen Namen. Talentvolle Gelehrte, welchen keine alten Codices
zu Gebote standen, fabricirten nicht selten mit Geschick Schriften,
welche sie für Werke alter Scribenten ausgaben und erlangten durch
ihre Veröffentlichung Ruf in solchem Grade, wie sie durch Herausgabe
ihrer eigenen Schriften unter ihrem Namen, ihn kaum hätten
erreichen können.
Ein so begabter Dichter, wie Celtes war, der aus kaiserlichen
Händen den Apollinarischen Lorber empfangen hatte, konnte die mit
seinem Namen versehenen eigenen poetischen Productionen grösseren
Umfangs lange nicht zum Drucke bringen. Endlich gelang es ihm
einen Theil derselben, die libri Amorum oder Reisebilder, mit kaiserlicher
Unterstützung zu veröffentlichen im Jahre 1S02. Seine Oden und
t) Saxii Onomastie. litterar. II. p. Ü02. Christ, Prolnsio de Phaedro ejusque fubulis.
I.ips. 1746.
Endlicher in Hormayrs Archiv XII. S. 418 verwirft mit Recht die Angabe, dass
Celtes die Phädrischen Fabeln anfgefunden habe, aber seiner beigefügten Bemerkung
ist nicht beizustiminen: „Wenn die Sache (mit der Auffindung durch Celtes)
richtig wäre, so würden die Zweifel an der Echtheit der Phädrischen Fabeln gehoben
sein.“