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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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A  s  c  h  b  a  c  h

angeblich  verfasste  Dichtung  aufgefunden  haben  und  sie  ediren.
Ovids  Fasti,  wovon  wir  nur  die  sechs  ersten  Bücher  noch  besitzen
(wahrscheinlich  hatte  der  Dichter  nicht  mehr  geschrieben  *)  wollte
er  ergänzen  durch  die  sechs  folgenden  Bücher.  Er  behauptete,  sie
in  einem  schwäbischen  Kloster  in  der  Nähe  von  Ulm  aufgefunden  zu
haben  2),  und  meldete  den  angeblichen  Fund  dem  bekannten  Venetianischen
  Buchdrucker  Aldus  Manutius,  seinem  humanistischen
Freunde,  wohl  in  der  Erwartung,  dass  ihm  dieser  eine  ansehnliche
Summe  für  die  Überlassung  des  Codex  zum  Abdruck  anbieten  werde.
Celtes  hatte  dem  Manutius  die  ersten  Verse  aus  der  Handschrift,
welche  er  zu  besitzen  vorgab,  mitgetheilt  3 ):  wenn  der  Venetianer
Buchdrucker  auf  die  Sache  einging,  so  wollte  sich  der  Dichter  an
das  Werk  machen.  Manutius  aber  wünschte,  ehe  er  den  Druck  übernahm, ­
  den  Codex  seihst  einzusehen,  da  ihm  die  Verse  verdächtig,
keineswegs  ovidisch  schienen  4 ).  Celtes  war  durch  diesen  Ausspruch
des  Italieners  gewarnt,  und  erhielt  es  für  rathsam,  sich  nicht  in
einen  solchen  kühnen  Versuch  einzulassen,  wo  der  erste  Schritt
schon  so  grossen  Verdacht  erregt  hatte.  In  Wahrheit  wäre  Celtes
auch  gar  nicht  einer  solchen  Unternehmung  gewachsen  gewesen:  es

*)  Es  unterliegt  wohl  keinem  Zweifel,  dass  Ovid  die  libri  Fastorum,  welche  er  erst  in
seiner  späten  Lebenszeit  begonnen  hatte,  nicht  vollendet  hat,  da  ihm  in  seinem
Exil  an  der  Küste  des  schwarzen  Meeres  dazu  die  Hilfsmittel  fehlten.  Die  Fasti
sollten  Aufschluss  geben  über  die  Verbindung  der  römischen  Staatsreligion  und
Geschichte  mit  dem  täglichen  Leben.
2 )  J.  F.  Gronovius  schrieb  dem  Nicolaus  Heinsius,  dass  er  in  Nürnberg  eine  alte  Ausgabe ­
  des  Ovidius  eingesehen,  worin  Celtes  mit  eigener  Hand  eingeschrieben  habe,
dass  die  sechs  letzten  libri  Fastorum  Ovidii  an  einem  Orte  bei  Ulm  aufbewalirt
würden:  es  seien  daselbst  auch  die  zwei  ersten  Verse  aus  dem  Codex  beigefügt.
N.  Heinsius  schenkte  der  Sache  keinen  Glauben:  er  meint,  Celtes  könnte  wohl  von
Jemand  mystificirt  worden  sein.  Vgl.  Fabric.  Bibi,  latin.  T.  V.  und  Klüpfel  vit.
C.  Celt.  II.  165.
8 )  Tu  quoque  mutati  causas  et  nomina  mensis
A  te  qui  sequitur  maxime  Caesar  habes.
Das  Schreiben  des  Aldus  Manutius  an  Celtes  d.  d.  Venet.  3.  Sept.  1501  findet  sich
in  Cod.  epistol.  Celt.  ep.  6.  fol.  133  (auch  gedr.  bei  Renouard  annales  de  l’imprimerie
  des  Aldes.  T.  III.  p.  275):  Rogo  te,  ut  Iibrorum  Graecorum,  quos  apud
Druidas  esse  scribis,  des  ad  me  nomina,  eures  praeterea  accuratissime,  ut  habeas
Ultimos  illps  Fastorum  lihros.  Quamquam  ita  sum  videndi  ipsorum  eupidus,  ut  adduci
  non  possim,  ut  extare  eos  credam.  Nam  versiculis  illis  duobus  de  mensi  Julio
7ion  habpo  fidrm,  quare  velim  si  quos  alios  habes  ad  me  mittas.
            
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