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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Roswitha  und  Conrad  Celtes.

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nichts  anzugeben  wusste,  und  es  klar  am  Tage  lag,  dass  nur  Otto  von
Freisingen  und  sein  Fortsetzer  Radevicus  paraphrasirt  waren,  so  zweifelte ­
  man  doch  anfänglich  nicht,  dass  er  eine  echte  alte  Quelle  sei.  Erst
Senckenberg  im  18.  Jahrhundert  hegte  Zweifel  an  der  Echtheit.  Obschon ­
  das  Buch  schon  öfter  gedruckt  war,  wurde  es  noch  im  19.  Jahrhundert ­
  im  J.  1812  wiederum  veröffentlicht.  Erst  in  den  letzten  Decennien
  hat  die  historische  Kritik  unwiderlegbar  die  Fabrikation  nachgewiesen. ­
  Jacob  Grimm  i)  meint,  „Celtes  oder  einer  seiner  Freunde
und  Genossen  könnte  den  Ligurinus  gedichtet  haben,  dem  mehr  der
Ausgang  des  XV.  Jahrhunderts  entspricht,  als  des  XII.  Keine  einzige
Handschrift  des  Gedichts  ist  an  den  Tag  gekommen,  so  wenig,  als
des  zu  Eingang  und  am  Schluss  erwähnten  Solymarius,  worin  der
Kreuzzug  unter  Konrad  III.  besungen  und  welcher  dem  gleichnamigen
Sohn  Friedrichs  I.  gewidmet  sein  soll.“  Wattenbach  2 )  hält  den  Ligurinus ­
  für  unecht  und  vermuthlich  von  Celtes  selbst  verfasst:  und
findet  darin  ein  merkwürdiges  Zeichen,  wie  gut  es  ihm  gelungen,
eine  lebendige  Anschauung  der  mittelalterlichen  Zustände  sich  zu  erwerben. ­

Auch  mit  Schriftstellern  des  Alterthums  beabsichtigte  Celtes
einige  litterarische  Mystificationen,  jedoch  erkannte  er  bald,  dass
er  hier  seine  Kräfte  und  Geschicklichkeit  überschätzt  hatte,  und
indem  er  befürchtete,  dass  der  kühne  Betrug  nicht  unentdeckt
bleiben  möchte,  stand  er  von  seinem  Vorhaben  ab.
Die  eine  dieser  beabsichtigten  Fälschungen  betraf  den  römischen ­
  Dichter  Ovidius,  dessen  Dichtungen  über  die  Liebe  er  in  seinen ­
  libris  Amorum  oder  Reisebildern  glücklich  nachgealimt  batte.
Auch  hatte  er  sich  schon  in  früherer  Zeit  lange  mit  den  sechs  vorhandenen ­
  libris  Fastorum  desselben  Dichters  beschäftigt  und  er  gedachte
sie  mit  Illustrationen  versehen  herauszugeben  3 ).  Später  aber  machte
er  einen  Schritt  weiter:  er  wollte  eine  von  dem  römischen  Dichter

erudito  et  diserto  Lucanum  ipsum  effinsisse  esseque  aemulatum  felicissime  praedicatur,
  cujus  Dei  dent,  ut  aliquando  opuscula  in  lucem  prodeant.
*)  Gedichte  auf  K.  Friedrich  I.  in  den  klein.  Schrift.  III.  S.  13.
2 )  Deutschlands  Geschichtsquellen.  S.  2.
3 )  Kliipfel  vit.  Celt.  II.  147  auf  den  Brief  des  J.  Tolophus  gestützt,  sagt  Cod.  epistol.
Celt.  lib.  III.:  Intelligiinus  Celtem  Norirnbergae  (1493)  cum  haereret,  in  eo  fuisse,
ut  antiquorum  deorum  prosapiam  (Mythologiam)  et  Fastorum  sex  libros  imaginibus
illustrandos  curaret.
            
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