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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Roswitha  und  Conrad  Celtes.

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tigt  gelassen  werden.  Auf  dieser  gelehrten  Rundreise  war  von  Suntheim
  auch  das  Regensburger  St.  Emmerans-Kloster  durchforscht  worden ­
  und  er  hatte  dort  (noch  vor  dem  Jähe  1491)  das  alte  ursprüngliche ­
  Roswitha'sche  Legendenbuch  mit  den  Notizen  über  die  Thaten
Otto’s  des  Grossen  eingesehen.  Er  war  im  Stand  nach  dem  von
Celtes  besorgten  Drucke  der  angeblichen  Roswitha’schen  Werke  den
litterarischen  Betrug  nach  seinem  ganzen  Zusammenhänge  zu  überblicken ­
  und  er  schien  Willens  dem  Kaiser  die  Sache  mitzutheilen.
Dass  dieses  nicht  geschah,  verhinderten  die  Freunde  des  Celtes,
welche  wie  er  selbst  frühzeitig  von  dem  thätigen  und  scharfsichtigen
Matthäus  Pappenheim  gewarnt  worden  waren.  Die  kaiserlichen  Räthe
Krachenberger,  Cuspinian,  Matthäus  Lang,  welche  dem  gekrönten
Dichter  wie  dem  emsigen  Forscher  Suntheim  gewogen  waren,  wussten ­
  letztem  von  seinen  beabsichtigten  Schritten  abzuhalten  und  so
blieb  die  Sache  weiter  geheim  >).

Übrigens  entspricht  ein  litterarischer  Betrug,  wie  ihn  Celtes
mit  den  Dichtungen  der  Roswitha  beging  (den  er  wegen  seines  guten
Zweckes  auch  nicht  für  unrecht  hielt),  ganz  seinem  Charakter.  Zur
Verherrlichung  des  deutschen  Geistes  und  Reichs  und  der  poetischen ­
  Leistungen  seines  Vaterlandes  in  einer  Zeit  der  mittelalterlichen
Jahrhunderte,  wo  die  Italiener  bezüglich  der  classischen  Dichtungen
noch  weit  zurück  waren,  erlaubte  sich  unser  gekrönter  Dichter  auch
eine  andere  Fälschung,  welche  man  schon  lange  aufgedeckt  hat.  Wenige ­
  Jahre,  nachdem  die  Werke  der  Roswitha  in  Druck  herausgegeben ­
  waren,  machte  sich  Celtes,  kühn  geworden  durch  den  ersten
Erfolg  seiner  litterarischen  Mystifikation,  daran,  die  Thaten  des  berühmten ­
  staufischen  Kaiser  Friedrich  i.  Barbarossa,  welche  dieser  in
Italien  verrichtete,  in  einem  grossen  epischen  Gedichte  in  Hexametern
nach  Art  des  Lucanus  zu  besingen.  Er  legte  dabei  einfach  die

1 )  Über  diese  Sache  gibt  mehr  Andeutungen  als  genauen  Aufschluss  das  Schreiben
des  Matthäus  Marschall  von  Pappenheim  an  Celtes  im  Cod.  epistol.  lib.  XIII.  ep.  3.
fol.  i48  (v.  J.  1303),  welcher  Brief  wegen  seiner  Wichtigkeit  in  der  Beil.  IX
ganz  abgedruckt  ist.
            
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