Roswitha und Conrad Celtes.
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tigt gelassen werden. Auf dieser gelehrten Rundreise war von Suntheim
auch das Regensburger St. Emmerans-Kloster durchforscht worden
und er hatte dort (noch vor dem Jähe 1491) das alte ursprüngliche
Roswitha'sche Legendenbuch mit den Notizen über die Thaten
Otto’s des Grossen eingesehen. Er war im Stand nach dem von
Celtes besorgten Drucke der angeblichen Roswitha’schen Werke den
litterarischen Betrug nach seinem ganzen Zusammenhänge zu überblicken
und er schien Willens dem Kaiser die Sache mitzutheilen.
Dass dieses nicht geschah, verhinderten die Freunde des Celtes,
welche wie er selbst frühzeitig von dem thätigen und scharfsichtigen
Matthäus Pappenheim gewarnt worden waren. Die kaiserlichen Räthe
Krachenberger, Cuspinian, Matthäus Lang, welche dem gekrönten
Dichter wie dem emsigen Forscher Suntheim gewogen waren, wussten
letztem von seinen beabsichtigten Schritten abzuhalten und so
blieb die Sache weiter geheim >).
Übrigens entspricht ein litterarischer Betrug, wie ihn Celtes
mit den Dichtungen der Roswitha beging (den er wegen seines guten
Zweckes auch nicht für unrecht hielt), ganz seinem Charakter. Zur
Verherrlichung des deutschen Geistes und Reichs und der poetischen
Leistungen seines Vaterlandes in einer Zeit der mittelalterlichen
Jahrhunderte, wo die Italiener bezüglich der classischen Dichtungen
noch weit zurück waren, erlaubte sich unser gekrönter Dichter auch
eine andere Fälschung, welche man schon lange aufgedeckt hat. Wenige
Jahre, nachdem die Werke der Roswitha in Druck herausgegeben
waren, machte sich Celtes, kühn geworden durch den ersten
Erfolg seiner litterarischen Mystifikation, daran, die Thaten des berühmten
staufischen Kaiser Friedrich i. Barbarossa, welche dieser in
Italien verrichtete, in einem grossen epischen Gedichte in Hexametern
nach Art des Lucanus zu besingen. Er legte dabei einfach die
1 ) Über diese Sache gibt mehr Andeutungen als genauen Aufschluss das Schreiben
des Matthäus Marschall von Pappenheim an Celtes im Cod. epistol. lib. XIII. ep. 3.
fol. i48 (v. J. 1303), welcher Brief wegen seiner Wichtigkeit in der Beil. IX
ganz abgedruckt ist.