Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

40

A  s  e  h  b  a  e  h

Carmen  de  primordiis  coenobiiGandershemens.  gedichtet  worden,  indem ­
  dieses  mit  dem  Panegyricus  einen  und  denselben  Verfasser  hat 1 ).
Der  Codex,  welchen  Celtes  von  einem  in  der  Paläographie
bewanderten  Schreiber  hatte  fertigen  lassen 2 ),  nach  der  Schrift  des
im  St.  Emmerans-Kloster  zu  Regensburg  aufgefundenen  alten  Roswitha'schen
  Legendenbuches  hat  sich  bis  auf  den  heutigen  Tag  erhalten.
Die  alte  Handschrift,  welche  den  Betrug  hätte  an  den  Tag  bringen
können,  wurde  vernichtet  und  an  deren  Stelle  der  neue  Codex  dem
Kloster  zuriickgegeben.  Es  war  diese  ganze  Sache  vermuthlich  vermittelt ­
  worden  durch  drei  Freunde  des  Celtes:  durch  den  Bibliothekar ­
  des  St.  Emmerans-KIosters  Erasmus  Australis,  unter  dessen
Obhut  die  Schriften  des  Coenobiums  waren,  durch  den  Regensburger
Domherrn  Janus  Tolophus 3 ),  und  vorzüglich  durch  dessen  vertrauten
Gehilfen  Matthäus  Pappenheini,  in  dessen  Händen  die  alte  Roswitha’-sche
  Originalhandschrift  sich  lange  befunden  hatte.  Ungeachtet  aller
Vorsicht  und  Verschwiegenheit  der  dabei  betheiligten  Personen,  wurde
der  wahre  Sachverhalt  von  einem  damaligen  Gelehrten,  der  mit  Celtes
vielfach  verkehrte  und  sein  eigenthümlicbes  literarisches  Treiben
kennen  zu  lernen  Gelegenheit  gehabt  hatte,  entdeckt:  und  da  derselbe ­
  mit  dem  gekrönten  Dichter  in  mancherlei  Streitgkeiten  verwickelt ­
  war,  so  stand  er  auf  dem  Puncte  den  Betrug  zu  veröffentlichen. ­
  Ladislaus  Suntbeim  von  Ravensburg,  Hofcaplan  des  Kaiser
Maximilian  I.,  war  von  diesem  beauftragt  worden,  überall  herum  zu
reisen,  um  historische  Documente  zu  sammeln  nicht  nur  für  die
Habsburgische  Geschichte,  sondern  auch  zur  Vervollständigung  der
bairischen  und  sächsischen  Chroniken:  dabei  sollte  auch  die  burgundische,
  französische  und  spanische  Geschichte  nicht  unberücksich-*)

  Vgl.  oben  S.  21,  Not.  4.
2 )  Celtes  hatte  einen  Schreiber  Namens  Johann  Rosenberger,  von  welchem  der  Codex ­
  der  noch  ungedruckten  Celtesschen  griechischen  Grammatik  geschrieben  wurde, ­
  nach  den  darin  am  Ende  befindlichen  Worten:  7E7pap.jjt.Evov  &ia  p.ov  ’lojavvoy
pofjsvßep^cp  ircL  1500.  Vielleicht  ist  derselbe  identisch  mit  dem  in  der  Celtesschen ­
  Briefsammlung  vorkommenden  Kolberger,  der  bei  Celtes  in  Verwendung
stand.  Vgl.  Beil.  IV.  Den  Brief  des  Anonymus  an  Celtes  d.  d.  Nürnb.  24.  Febr.
1493.  (Cod.  ep.  Celt.  IR.  6.  fol.  20.)  In  einem  andern  Briefe  des  Joh.  Codes
(Löffelholz)  aus  derselben  Zeit  wird  er  Kolber  genannt:  Cod.  epist.  Celt.  fol.  17.
3 )  Vgl.  den  Brief  Sigmunds  Opfelbeck’s  an  Celtes  (Cod.  epist.  Celt.  IV.  4.  fol.  33.
S.  Beil.  VII).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.