Roswitha und Conrad Celles.
30
Wenn wir geneigt sein könnten, dem Theodorich Ulsen die Legende
Pelagius, und dem Janus Tolophus das Martyrerthum des heiligen
Dionysius zuzuschreiben, so fehlt es docli an jedem festen und
sichern Anhaitspunct, welche Sodales von der rheinischen gelehrten
Gesellschaft die Gedichte über die Himmelfahrt Christi, über die
Bekehrung des heil. Theophilus und die ähnliche Geschichte, welche
in der conversio cujusdam juvenis geliefert wird, geschrieben haben.
Dagegen finden sich schon einige Momente den Martinas Pollichius,
aus der fränkischen Stadt Mellerstadt, für den Verfasser des
Panegyricus de gestis Oddonis I zu halten. Er gehörte zu den ältesten
Freunden des Celtes. Pollichius hatte zwei Decennien hindurch
an der Leipziger Universität scholastische Theologie gelehrt:
er wandte sich dann dem medicinischen Studium zu und wurde Leibarzt
des Kurfürsten Friedrich von Sachsen, mit welchem er auch nach
Jerusalem zog. Er zeigte sich sehr eifrig für die Verbreitung des Humanismus
und er war es, der bei dem sächsischen Kurfürsten dahin sich
verwendete, dass derselbe den Kaiser Friedrich bewog Conrad Celtes
zum Dichter zu krönen. Mit seinem Freunde dem italienischen Dichter
Fridianus Pighinuccius, der in Diensten des Magdeburger Erzbischofs
stand, wechselte er mehrere dichterische Schreiben. Als im Jahre
1502 die sächsische Universität Wittenberg errichtet wurde, ernannte
der Kurfürst unsern Martinus Pollichius zum ersten Rector dieser
Hochschule und zum beständigen Universitäts-Vice-Kanzler <). Unter
den der Celtischen Ausgabe der Roswitha beigefügten Epigramme^
der Mitglieder der rheinischen Sodalität kommt auch eines von Martinus
von Mellerstadt vor, welches lautet:
Gloria quanta fuit magnis Ottonibus armis,
Gloria tanta tibi Roswithae in historia.
Derlrihalt des Panegyricus muss ihm daher näher bekannt gewesen
sein. Auch ein Schreiben vonTheodorich Ulscnius an Celtes deutet
auf die Theilnahme Martins an den Roswitha'schen Dichtungen “).
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass von ihm aus Notizen, welche er
im Gandesheimer Kloster gefunden, später das von Celtes nicht edirte
Vgl. Mencken Miscell. Lips. Nov. VII. 309. Klüpfel vit. Celt. I. G4. II. 7.
2 ) Cod. epist. Celt. VI. 41. f. 67. Nachdem Th. Ulsen, von der Cymhrica Barbara gesprochen,
fährt er fort: Recepi literas has a M. Mellerstadt et etiam a principibus
(Saxoniae), quas longum esset transscribere.