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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Roswitha  und  Conrad  Celles.

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Wenn  wir  geneigt  sein  könnten,  dem  Theodorich  Ulsen  die  Legende ­
  Pelagius,  und  dem  Janus  Tolophus  das  Martyrerthum  des  heiligen ­
  Dionysius  zuzuschreiben,  so  fehlt  es  docli  an  jedem  festen  und
sichern  Anhaitspunct,  welche  Sodales  von  der  rheinischen  gelehrten
Gesellschaft  die  Gedichte  über  die  Himmelfahrt  Christi,  über  die
Bekehrung  des  heil.  Theophilus  und  die  ähnliche  Geschichte,  welche
in  der  conversio  cujusdam  juvenis  geliefert  wird,  geschrieben  haben.
Dagegen  finden  sich  schon  einige  Momente  den  Martinas  Pollichius,
  aus  der  fränkischen  Stadt  Mellerstadt,  für  den  Verfasser  des
Panegyricus  de  gestis  Oddonis  I  zu  halten.  Er  gehörte  zu  den  ältesten ­
  Freunden  des  Celtes.  Pollichius  hatte  zwei  Decennien  hindurch ­
  an  der  Leipziger  Universität  scholastische  Theologie  gelehrt:
er  wandte  sich  dann  dem  medicinischen  Studium  zu  und  wurde  Leibarzt ­
  des  Kurfürsten  Friedrich  von  Sachsen,  mit  welchem  er  auch  nach
Jerusalem  zog.  Er  zeigte  sich  sehr  eifrig  für  die  Verbreitung  des  Humanismus ­
  und  er  war  es,  der  bei  dem  sächsischen  Kurfürsten  dahin  sich
verwendete,  dass  derselbe  den  Kaiser  Friedrich  bewog  Conrad  Celtes
zum  Dichter  zu  krönen.  Mit  seinem  Freunde  dem  italienischen  Dichter
Fridianus  Pighinuccius,  der  in  Diensten  des  Magdeburger  Erzbischofs
stand,  wechselte  er  mehrere  dichterische  Schreiben.  Als  im  Jahre
1502  die  sächsische  Universität  Wittenberg  errichtet  wurde,  ernannte
der  Kurfürst  unsern  Martinus  Pollichius  zum  ersten  Rector  dieser
Hochschule  und  zum  beständigen  Universitäts-Vice-Kanzler  <).  Unter
den  der  Celtischen  Ausgabe  der  Roswitha  beigefügten  Epigramme^
der  Mitglieder  der  rheinischen  Sodalität  kommt  auch  eines  von  Martinus ­
  von  Mellerstadt  vor,  welches  lautet:
Gloria  quanta  fuit  magnis  Ottonibus  armis,
Gloria  tanta  tibi  Roswithae  in  historia.
Derlrihalt  des  Panegyricus  muss  ihm  daher  näher  bekannt  gewesen ­
  sein.  Auch  ein  Schreiben  vonTheodorich  Ulscnius  an  Celtes  deutet
auf  die  Theilnahme  Martins  an  den  Roswitha'schen  Dichtungen  “).
Es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass  von  ihm  aus  Notizen,  welche  er
im  Gandesheimer  Kloster  gefunden,  später  das  von  Celtes  nicht  edirte

Vgl.  Mencken  Miscell.  Lips.  Nov.  VII.  309.  Klüpfel  vit.  Celt.  I.  G4.  II.  7.
2 )  Cod.  epist.  Celt.  VI.  41.  f.  67.  Nachdem  Th.  Ulsen,  von  der  Cymhrica  Barbara  gesprochen, ­
  fährt  er  fort:  Recepi  literas  has  a  M.  Mellerstadt  et  etiam  a  principibus
(Saxoniae),  quas  longum  esset  transscribere.
            
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