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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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V  ahie  n

worin  p.ip.ovp.ivovg  passiv  ist):  der  Epiker  dagegen  ist  immer  äreayyliUcov,
  auch  dann,  wenn  er,  wie  er  allerdings  am  meisten  soll,  andere
Personen  redend  einfährt.  Denn  es  bleibt  immer  der  Dichter,  welcher
diese  Personen  gewissermassen  vor  dem  Leser  oder  Hörer  introducirt,
  und  er  hält  den  Faden  der  Erzählung  stets  in  seiner  Hand.  Im
Drama  dagegen  ist  das  Band  zerrissen,  welches  die  Personen  mit
dem  Dichter  verband,  und  jene  treten  gleichsam  lebende  Statuen
unmittelbar  vor  unsere  Augen  handelnd  und  redend,  und  kein  praeco
tritt  zwischen  sie  und  den  Hörer  oder  Leser.  Darauf  beruht  das
ivapyig,  welches  das  Epos  als  erzählende  Gattung  niemals  in  dieser
Weise  haben  kann.  Diese  leibhafte  Vergegenwärtigung  und  Unmittelbarkeit ­
  der  Tragödie  liegt  in  der  Art  und  Weise  ihrer  puftbai?,
macht  sie  geschickt  zur  Bühuenaufführung,  ist  aber  nicht  erst  in
dieser  und  durch  diese  vorhanden,  sondern  wird  auch  beim  Lesen
empfunden:  dem  Epos,  weil  es  djzayyslia  ist,  fehlt  diese  Unmittelbarkeit, ­
  und  darum  fordert  und  verträgt  diese  Gattung  dramatische
Biihnendarstellung  nicht.
3.  Ferner  unterscheidet  sich  die  Tragödie  von  dem  Epos  dadurch, ­
  dass  sie  in  kleinerem  Umfang  das  Ziel  und  Ende  ihrer  Darstellung ­
  findet  (Irt  rw  Iv  lÄarrovt  prnzst  zo  zslog  rfj?  ;jup.v/<7£ojg  sivai,
worin,  wie  bemerkt,  der  Dativ  entsprechend  dem  Satz  mit  oiizi  (a  14)
von  einem  zu  ergänzenden  -/.peizzciiv  iozl.v  oder  oic/.fipv.  abhängig
ist).  Auf  den  augenfälligen  Unterschied  in  der  Längenausdehnung  ist
Aristoteles  wiederholt  nicht  immer  in  gleicher  Beziehung  und  unter
gleichem  Gesichtspunkt  zu  reden  gekommen.  So  hat  er  Cap.  17  und
18  aus  der  Thatsache,  dass  dem  Epos  ein  ungleich  breiterer  Baum
für  seine  Darstellungen  gegönnt  ist  als  der  Tragödie,  Regeln  für  die
Episodien  in  jenem  gezogen  und  anderseits  für  den  Tragiker  die
Warnung,  nicht  epische  Stofffülle  zu  verarbeiten,  für  deren  volle
Entfaltung  in  den  engeren  Grenzen  eines  Drama  hinreichender  Raum
nicht  gewährt  sei.  In  der  Theorie  des  Epos  c.  24  hatte  er  aus  dieser
grösseren  Dehnung  einer  epischen  Erzählung  einen  Vorzug  der  epischen ­
  Dichtung  vor  der  Tragödie  abstrahirt,  indem  jener  grössere
Flächenraum  eine  buntere  Manchfaltigkeit  von  Episodien  verlange  und
vertrage,  durch  die  dem  Ganzen  Pracht  und  fesselndes  Interesse  verliehen ­
  werde,  während  die  Tragödie  in  Folge  ihrer  engeren  Grenzen
durch  Einförmigkeit  rascher  ermüde.  Hier  wird  umgekehrt  aus  dem
Unterschied  in  der  Ausdehnung  beider  Dichtarten  ein  Vorzug  der
            
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