Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

397

Zweitens  (sksitcc)  ist  die  Tragödie  vor  dem  Epos  bevorzugt:
1)  weil  sie  alles  hat,  was  das  Epos,  denn  auch  das  Versmass  kann
sie  gebrauchen,  und  überdies  einen  nicht  unwichtigen  Theil  hat  an
der  musikalischen  Aufführung  und  der  Scenerie,  wodurch  die  Vergnügungen, ­
  welche  die  Tragödie  darbietet,  am  augenfälligsten  bewirkt
werden.  Dass  die  Tragödie  mit  dem  Epos  alle  Theile  (pipv?)  gemein
habe,  und  ausserdem  noch  zwei,  durch  die  scenisch-musikalische
Aufführung  bedingte,  die  eben  darum  der  epischen  Dichtung  abgehen ­
  ,  fxelonrjua  und  o\ptg,  war  schon  c.  S  angedeutet  und  c.  24
bestimmt  ausgesprochen:  xai  rä  jjlipy  [xilorcauag  xcd  ötpeajg
raürd.  Wenn  nun  Aristoteles  zur  Bestätigung,  dass  die  Tragödie  alles
habe,  was  das  Epos,  hinzufügt  'denn  auch  das  Metrum  kann  sie
gebrauchen’  (xai  yäp  tü  [xirpip  e^sazi  ypriaSaC),  so  kann  er  nur
meinen,  dass  der  Tragödie  auch  der  eigentlich  dem  Epos  specifisch
ungehörige  Hexameter  nicht  völlig  fremd  und  versagt  sei:  denn  dass
die  Tragödie  überhaupt  metrisch  sei,  brauchte  ja  nicht  besonders
und  konnte  nicht  passend  in  dieser  Form  ausgedrückt  werden.  Jene
Behauptung  aber  ist  auffällig  genug:  zu  geschweige!),  dass  Cap.  5  als
unterscheidendes  Merkmal  von  Epos  und  Tragödie  auch  genannt  war,
dass  ersteres  ;zirpov  änlovv  habe,  wobei  mehr  daran  gedacht  ist,  dass
demselben  die  musikalisch  -orchestische  Begleitung  der  tragischen
Chöre  abgeht,  hatte  Aristoteles  c.  24  das  pirpov  als  ein  Epos  und
Tragödie  scheidendes  Charakteristicum  bezeichnet,  und  nachgewiesen,
wie  der  heroische  Hexameter  seiner  rhythmischen  Natur  nach  für  das
Epos  das  angemessenste  und  allein  zu  gebrauchende  Mass  sei,  und
anderseits  hatte  er  Cap.  4  für  den  Dialog  der  Tragödie  den  jambischen
Trimeter,  als  Sprechvers,  gerade  im  Gegensatz  gegen  den  über  die
lexzixr)  dpp.ovia  hinausgehenden  Hexameter  geltend  gemacht.  Er  kann
daher  nicht  der  Meinung  sein,  dass  das  epische  Mass  ebensogut  der
Tragödie  anstelle,  und  es  liegt  auch  nicht  in  dem  Ausdruck  e£e<m
ypYioSca:  hingegen  scheint  die  bekannte  Thatsache,  dass  in  der
Tragödie  gelegentlich  auch  Hexameter  eingestreut  sind,  an  sich  zu
geringfügig,  als  dass  sie  hier  in  Betracht  kommen  könnte.  Dennoch
weiss  ich  keine  andere  Erklärung.  Man  muss  demnach  annehmen,  dass
Aristoteles,  um  das  rr/v  Sioiv  diafvlarrBiv  wahr  zu  machen  und  den
Gegnern,  welche  dem  Epos  den  Vorrang  vor  der  Tragödie  zu  vindiciren
  trachteten,  kein  Fussbreit  Terrain  einzuräumen,  die  Behauptung
aufgestellt  habe,  dass  zu  allem  übrigen,  was  Tragödie  mit  dem
2G*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.