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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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V  a  li  1  e  n

Abhängigkeit  der  Construction  durchbrochen  war,  in  selbständiger
und  unabhängiger  Form  ausgesprochen.
Die  Tragödie  nun  ist  von  solcher  Beschaffenheit,  dass  sie  nämlich ­
  alles  durch  schauspielerische  Action  vor  Augen  stellt,  wie  auch
die  älteren  Schauspieler,  die  im  Vertrauen  auf  ihre  Kunst  jedes  Zuviel
der  Aclion  sorgfältig  vermieden,  ihre  jüngeren  Kunstgenossen  wegen
ihrer  Übertreibung  in  der  Gestieulation  als  Affen  bezeiehneten,  wie
Mynniskos  den  Kallippides  nannte  und  andere  vom  Pindaros  glaubten,
und  wie  diese  Affen  unter  den  Schauspielern  sich  zu  jenen  masshaltenden
  Künstlern  verhielten,  so  verhält  sich  die  tragische  Kunst  überhaupt ­
  (r,  '6lr,  zzyyr,)  zur  epischen  Darstellung.  Die  Rücksicht  auf
jenen  Unterschied  unter  den  älteren  und  jüngeren  Schauspielern  der
Tragödie  soll  es  deutlich  machen,  dass  in  der  tragischen  Kunst  selbst
der  Anlass  liegt  zu  möglichst  vollständiger  Vergegenwärtigung  durch
schauspielerische  Action,  und  wenn  auch  nicht  alle  Schauspieler  das
Mass  überschritten,  so  ist  doch  das  Verhältniss  unter  ihnen  selbst  ein
ähnliches  wie  das,  in  welchem  die  tragische  Kunst  überhaupt  zum
Epos  steht:  kurz  die  Tragödie  ist  änavza  y.i[xovjj.ivr} :  die  epische
Nachahmung  ist  es  nicht.  Das  olkocvza  p.'.p.süj.S'a!  aber  geht,  wie
früher  gesagt,  hervor  aus  dem  Bemühen,  einem  unfähigen  Publicum
die  Dinge  verständlich  und  handgreiflich  zu  machen,  und  darum  ist
das  cx.na.vzex.  [xifxsTaSki  Beweis  für  das  yopziy.öv.  Diesen  Gedanken
spricht  der  folgende,  gleichfalls  zu  der  im  Eingang  angelegten  Abhängigkeit ­
  nicht  mehr  zurückkehrende  Satz  aus:  zrjv  piv  ouv—.  Von
der  epischen  Darstellung  also,  welche  nicht  änavza  puppere»',  sagt
man,  dass  sie  an  ein  gebildetes  Publicum  sich  wendet,  welches  zum
Behuf  des  Verständnisses  der  schauspielerischen  Gesten  ('r/yp.ä.züiv)
nicht  bedarf,  von  der  tragischen  Darstellung  dagegen,  dass  sie  für
yavkövg  äzazäg,  für  ungebildete  Hörer  berechnet  sei,  denen  exaggerirendes
  Schauspiel  ein  nothwendiges  Vehikel  des  Verständnisses
ist:  das  heisst,  in  kurzem  Ausdruck,  von  der  Tragödie  sagt  man  (wegen ­
  des  änavzex  [xipMuS-ai),  dass  sie  tpopzuri  sei,  was  von  dem  Epos
nicht  gesagt  werden  könne.  Jetzt  erst  sind  alle  in  den  allgemeinen
Prämissen  vorangestellten  Momente  in  ihrer  Anwendung  auf  die  beiden ­
  in  Frage  kommenden  Dichtarten  aufgewiesen,  und  nun  kann  der
Schluss  gezogen  werden,  der  sich  in  der  Form  an  den  Eingang  d  r,
’ozzov  tpopzr/.ri  ßzAz/Mv  wieder  anschliesst:  d  ouv  fopziy.-r,
örilov  izi  äv  stij:  wenn  also,  wie  das  Bisherige  gezeigt  hat,  die  tra-
            
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