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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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A  s  c  h  b  a  c  h

Haupttheilnehmer  bei  ihrer  Niederschreibung  gewesen  und  für  das
Ganze  seine  redigirende  und  bessernde  Hand  ausgeholfen  hat.  Ohne
Zweifel  rühren  auch  von  ihm  die  Ueberschriften,  die  Vorreden  und
Argumenta  her  ').  Einige  Stücke  bieten  derartige  Eigenthümlichkeiten,
dass  dieselben  keinem  Humanisten  jener  Zeit  mit  mehr  Grund  zugeschrieben ­
  werden  könnten  als  unserem  gekrönten  Dichter.  Er  besass
ein  ausgezeichnetes  Talent,  antike  und  mittelalterliche  Versmasse
meisterhaft  nachzuahmen  und  sich  die  Ausdrücke  und  Wendungen
der  lateinischen  Sprache  in  den  verschiedenen  Jahrhunderten  mit
Geschick  anzueignen;  er  hatte  eine  grosse  Belesenheit  in  den  römischen ­
  Schriftstellern,  besonders  Dichtern  und  war  durch  seine  früheren ­
  theologischen  Studien  in  Köln  auch  mit  den  bedeutenderen  kirchlichen ­
  Scriptoren  bekannt  geworden:  es  fehlten  ihm  nicht  die  Kenntnisse ­
  in  der  griechischen  Sprache,  in  der  Mathematik,  Astronomie,
Scholastik  und  platonischen  Philosophie.  Daher  ist  zu  vermuthen,
dass  die  Legende  des  heil.  Gongolf,  welche  sowohl  hinsichtlich  der
Form  in  leoninischen  Distichen,  als  auch  bezüglich  des  poetischen
Gehaltes,  das  ausgezeichnetste  Stück  ist,  vonCeltes  herrührt,  und  dass
von  ihm  weiter  die  beiden  Comödien  Abraham  und  Paphnutius,  vielleicht
auch  das  Schauspiel  Sapientia,  geschrieben  wurden,  indem  in  diesen
Stücken  sich  der  Mathematiker  und  Astronom,  der  Scholastiker  und
Neuplatoniker  zu  erkennen  gibt.  Auch  spricht  für  diese  Annahme  der
Umstand,  dass  Celtes  sich  vielfach  mit  Seneca,  Terenz  und  Plautus
beschäftigte,  von  welchen  Dichtern  manche  Anklänge  Vorkommen,  und

*)  Wichtig’  ist  eine  Stelle  in  ries  Celtes  Odar.  üb.  III.  od.  27  ad  Theodoricum  Gresmundum
  Cattum,  hospitem  suum  Moguntinum:
Cum  virus  rapuit  lethiferum  Ursulam,
Quae  me  blanda  suis  torserat  ignibus
Et  me  vafra  coegit
Versus  scribere  lubricos.
Castis  carminibus  sum  modo  deditüs
Charis  nostra.fercns  dona  sodalibus  etc.
Der  Tod  seiner  Freundin  Ursula  fallt  ins  J.  1491,  als  Celtes  das  dritte  Buch  seiner
libri  Amorum,  welches  Ursula  betitelt  ist,  schrieb:  er  wandte  sich  dann  der
frommen  Legendendichtung  der  RosAvitha  zu.  Wenn  er  auch  mitunter  ernste
Oden  dichtete,  so  können  diese  doch  nicht  passend  casta  carmina  genannt
werden.  Johann  Trithemius  nennt  so  die  Roswitha’schen  Dichtungen  wegen  ihrer
Tendenz.  Er  sagt:  ad  virgines  sacratas  castitatem  et  continentiam  hortando  conscripsit
  etc.
            
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