Beiträge zu Aristoteles Poetik.
381
gegen die Kunst als solche erwähnt, der in dem Zweck der Dichtung,
der ay.Klri^ig, seine Rechtfertigung finden könne. Dagegen sind die
hiesigen Rückführungen beide (1460 b 33 fg.) als Gegensätze gegen
den Vorwurf des tir/ dl^Sig geltend gemacht worden, indem man
gegen letzteren entweder auf das of« dsT (= ßsXuov) oder auf das
of« tpcx'ji xcd doxü (= öö£a) sich berufen könne. Man ist geneigt,
die hiesige Aufstellung mit jener zu identificiren, obwohl das äoüvarov
mit dem p.v) dl-oSig sich nicht vollkommen deckt. Das, was ein aöuvarov
ist, kann ein alriSig nicht sein noch gewesen sein, was dagegen
[J.rj dlr t S£g, kann darum doch ein ouvaröv sein (cf. Cap. 9)
Allerdings hat Aristoteles (vgl. Ronitz Metaphys. S. 236) das ouvaröv,
wie es scheint, auch mit dem imdpxov identificirt, und so möchten
auch [xrj d’jvaräv (ccdövarov) und p.vj dfoiSsg sich in seiner Vorstellung
vermischen. Dennoch wage ich es mit Zuversicht nicht zu behaupten,
sondern glaube für die Dichtkunst die Scheidung beider
Begriffe festhalten zu können. Der Vorwurf, die Darstellung des
Dichters sei p.r< dir,Sag, ist im Grunde ein unberechtigter, da (wie
Cap. 9 lehrt und durch die ganze Theorie des Aristoteles sich hindurchzieht)
die Dichtung nicht daran gebunden ist, r« yevofxsva darzustellen,
wohl aber daran darzustellen olcc dv ysvoiro y.ard rö eiy.dg xcd
dvayxacov. Wenn also geltend gemacht wird, nicht blos die Darstellung
der Dichtung sei der Wahrheit und Wirklichkeit nicht entsprechend
(p.Y) dir/Sag), sondern auch sie widerstrebe der Möglichkeit
und Wahrscheinlichkeit (dmvarov), dann erst ist ein berechtigter Vorwurf
gegeben; aber auch diesem Vorwurf kann man in den bezeichneten
beiden Wegen begegnen. Wenn das dovvarov in der Dichtung
zugleich ein mSavöv ist, so ist der Dichter seiner Aufgabe um so viel
näher gekommen, als wenn er ein dvvaräv aber drtiSavov dargestellt
hätte (vgl. 1431 b 16); was bei verstandesmässiger Erwägung als ein
ccdüvarov sich darstellt und dennoch mSavöv ist, das muss durch die
innere Wahrheit (da ihm die äussere nothwendig gebricht) seine
Wirkung thun und der Dichter hat der Forderung der Illusion die
vollste Rechnung getragen. Ebenso wenn der Dichter, um Ideale zu
schaffen, die Grenzen der Wirklichkeit und Möglichkeit überschreitet
und so dovvaru erzeugt, so hat er damit gleichfalls einer anderen
Forderung der Kunst entsprochen, die nicht die Wirklichkeit, sondern
die nothwendig über das *Mass der Wirklichkeit hinausschreitende
Idealität verlangt. Man erkennt deutlich, wie es sich hier um ein
2S *