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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

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stellen  und  sowohl  an  die  Wirklichkeit  als  an  den  Glauben  der  Menschen ­
  als  endlich  drittens  an  die  Idealität  und  Zweckmässigkeit  sich
halten  kann,  so  ist,  wenn  von  einem  dieser  Ohjecte  aus  ein  Tadel
gegen  den  Dichter  erhoben  wird,  aus  demselben  Gesichtspunkt  auch
die  Rechtfertigung  dargeboten.
Also  1)  wenn  getadelt  wird,  dass  das  Dargestellte  nicht  wahr
sei  (also  nicht  of«  £<m),  so  kann  man  entgegenhalten  a)X  taatg  öeT,
d.  h.  sich  auf  die  Idealität  berufen,  wie  also  z.  B.  Sophokles  dem  Euripides
  gegenüber  geltend  machte,  dass  er  die  Menschen  darstelle,  wie
sie  sein  sollen  {atovg  dst  seil,  etvat),  jener  aber,  wie  sie  wirklich
sind  {olot  etaiv),  so  kann  man  jenen  Tadel  lösen.  Uber  die  Gelegenheit ­
  jenes  Urtheils  des  Sophokles  über  sich  und  seinen  Rivalen
ist  nichts  zu  entscheiden:  dass  beide  Dichter  im  Wettstreit  in  einer
Komödie  eingeführt  gewesen,  hätte  wenigstens  eine  Analogie  an  Aristophanes
  Fröschen.  Die  Wahrheit  des  Urtheils  aber  vermögen  wir
heute  an  den  Tragödien  beider  zu  ermessen:  Sophokles’  Figuren
sind  die  idealischeren,  die  des  Euripides  der  Wirklichkeit  näher  angepasst, ­
  und  mit  diesem  Gegensatz,  auf  den  es  vor  allem  ankommt,
verbindet  sich  dann  auch  der  andere,  der  grösseren  oder  geringeren
Sittlichkeit  in  den  Charakteren.
2)  Kann  man  aber  dem  Vorwurf,  dass  der  Dichter  sich  an  die
Wirklichkeit  nicht  gehalten,  die  Idealität  (das  ata  dei)  nicht  entgegenhalten,
  noch  die  Wirklichkeit  selbst  behaupten,  so  kann  man  sich
auf  das  dritte  Object,  die  Meinung  und  den  Glauben  der  Menschen
{ata  faat  v.a't  ooy.ei)  berufen,  an  den  der  Dichter,  dem  es  auf  das
Überzeugende  (rei^avöv)  seiner  Darstellung  ankommt,  gleichfalls  sich
zu  halten  berechtigt  ist.  Als  Beispiel  dient  hier  das  was  die  Dichter
über  die  Götter  erzählen  {rot  nepi  Setüv,  wie  gleich  nachher  ähnlich
za.  nepi  züv  onloiv),  die  sie  in  menschenähnlicher  Gestalt  und  menschenähnlichem ­
  Leben  darstellen,  nicht  ohne  ihnen  menschliche  Gebrechen ­
  und  Schwächen  anzuheften.  Gegen  diese  Darstellungen  der
Götter  bei  den  Dichtern,  namentlich  Homer  und  Hesiod,  welche  Platons ­
  sittlichen  Unwillen  erregten,  macht  Aristoteles  geltend,  dass  die
Götter  so  darzustellen  (Xr/ctvscil.  za  nepi  Se&v')  vielleicht  weder  besser
sei  als  anders  (also  nicht  ata  ost)  noch  der  Wahrheit  entsprechend,
sondern  dass  es  möglicherweise  so  sei,  wie  es  dem  Xenophanes
vorkam,  dass  man  nämlich  über  die  Götter  nichts  Gewisses  wissen
sondern  nur  Unsicheres  vermuthen  könne:  allein  die  Menschen  sagen
            
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