Beiträge zu Aristoteles Poetik.
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stellen und sowohl an die Wirklichkeit als an den Glauben der Menschen
als endlich drittens an die Idealität und Zweckmässigkeit sich
halten kann, so ist, wenn von einem dieser Ohjecte aus ein Tadel
gegen den Dichter erhoben wird, aus demselben Gesichtspunkt auch
die Rechtfertigung dargeboten.
Also 1) wenn getadelt wird, dass das Dargestellte nicht wahr
sei (also nicht of« £<m), so kann man entgegenhalten a)X taatg öeT,
d. h. sich auf die Idealität berufen, wie also z. B. Sophokles dem Euripides
gegenüber geltend machte, dass er die Menschen darstelle, wie
sie sein sollen {atovg dst seil, etvat), jener aber, wie sie wirklich
sind {olot etaiv), so kann man jenen Tadel lösen. Uber die Gelegenheit
jenes Urtheils des Sophokles über sich und seinen Rivalen
ist nichts zu entscheiden: dass beide Dichter im Wettstreit in einer
Komödie eingeführt gewesen, hätte wenigstens eine Analogie an Aristophanes
Fröschen. Die Wahrheit des Urtheils aber vermögen wir
heute an den Tragödien beider zu ermessen: Sophokles’ Figuren
sind die idealischeren, die des Euripides der Wirklichkeit näher angepasst,
und mit diesem Gegensatz, auf den es vor allem ankommt,
verbindet sich dann auch der andere, der grösseren oder geringeren
Sittlichkeit in den Charakteren.
2) Kann man aber dem Vorwurf, dass der Dichter sich an die
Wirklichkeit nicht gehalten, die Idealität (das ata dei) nicht entgegenhalten,
noch die Wirklichkeit selbst behaupten, so kann man sich
auf das dritte Object, die Meinung und den Glauben der Menschen
{ata faat v.a't ooy.ei) berufen, an den der Dichter, dem es auf das
Überzeugende (rei^avöv) seiner Darstellung ankommt, gleichfalls sich
zu halten berechtigt ist. Als Beispiel dient hier das was die Dichter
über die Götter erzählen {rot nepi Setüv, wie gleich nachher ähnlich
za. nepi züv onloiv), die sie in menschenähnlicher Gestalt und menschenähnlichem
Leben darstellen, nicht ohne ihnen menschliche Gebrechen
und Schwächen anzuheften. Gegen diese Darstellungen der
Götter bei den Dichtern, namentlich Homer und Hesiod, welche Platons
sittlichen Unwillen erregten, macht Aristoteles geltend, dass die
Götter so darzustellen (Xr/ctvscil. za nepi Se&v') vielleicht weder besser
sei als anders (also nicht ata ost) noch der Wahrheit entsprechend,
sondern dass es möglicherweise so sei, wie es dem Xenophanes
vorkam, dass man nämlich über die Götter nichts Gewisses wissen
sondern nur Unsicheres vermuthen könne: allein die Menschen sagen