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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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Aschbach

schreiben  »),  wobei  er  Cassiodor’s  und  Jordanis  gotbische  Geschichten
zu  Grunde  legen  wollte:  und  hat  er  nicht  später  im  Guntherus  Ligurinus
  nach  den  Berichten  des  Bischofs  Otto  von  Freisingen  die
Thaten  des  Staufers  Friedrich  I.  besungen,  wie  in  dem  Panegyricus
de  gestis  Oddonis  I.  der  erste  sächsiche  Kaiser  verherrlicht
worden  ist?
Aber  auch  die  Schilderungen  von  Naturschönheiten,  für  welche
das  Mittelalter  im  Ganzen  wenig  Sinn  hatte,  aber  hei  welchen  die
Humanisten  nicht  selten  mit  Vorliebe  verweilten,  wie  Celtes  in  seinen
Reisebildern  und  Oden  zeigt 3 ),  verflochten  die  humanistischen  Verehrer ­
  des  Alterlhums  in  ihre  dichterischen  Werke.
Finden  wir  alle  Eigentlnimlichkeiten  der  humanistischen  Poesie
des  XV.  Jahrhunderts  in  den  Roswitha’schen  Werken  und  muss  uns
dieser  Umstand  schon  für  die  Ansicht  gewinnen,  dass  diese  Dichtungen ­
  dem  Zeitalter  des  Celtes  angehören,  so  wird  die  Vermutlmng  zur
Gewissheit  gesteigert,  wenn  zuverlässige  Beweise  beigebracht
werden  können,  dass  die  fraglichen  Gedichte  ihre  Entstehung  durch
Celtes  und  einige  seiner  Freunde  erhalten  haben.

Aus  den  kurzen  und  häufig  räthselhaften  Andeutungen  in  den
Briefen  der  bei  dem  Werke  betheiligten  Humanisten  an  Celtes  s )  lässt
sich  der  eigentliche  Sachverhalt  errathen.  Manche  Briefe,  welche
zu  deutlich  sprachen,  sind  ohne  Zweifel  vernichtet  worden:  Manches
wurde  einzig  und  allein  nur  mündlich  verhandelt.  Wenn  Celtes  nicht
seihst  in  Zusammenkünften  die  Sache  besprechen  konnte,  so  sandte

1 )  Die  Vita  C.  Celtis,  welche  von  der  Sodalitas  Rhenana  herausgegeben  worden,
sagt:  Theodoriceidem  orsus  est,  qua  Theodorici  regis  Gothoruin  et  Germaniae
historiam  complecti  voluit  versu  heroico.  Der  Wormser  Bischof  Johann  Dalberg
verschaffte  ihm  die  Werke  Cassiodors  (Cod.  Epist.  Celt.  lib.  XII.  ep.  2.  f.  138).
Von  Jornandes  hatte  er  sich  in  Wien  eine  Abschrift  machen  lassen.
2 )  Z.  B.  die  Beschreibungen  der  Lage  von  Freiburg,  Heidelberg  und  Passau  in  den
Oden  lib.  III.  od.  5.  und  23.  lib.  II.  od.  Io.
3 )  Auf  der  k.  k.  Ilofbibliothek  in  Wien  befindet  sich  eine  Sammlung  von  dritthalbhundert
  abschriftlichen  Briefen  von  Freunden  des  Celtes  an  ihn  vom  J.  1491  —1303.
Celtes  hat  die  Sammlung  selbst  angelegt,  und  darin  nicht  alle  Briefe  aufgenommen  :
offenbar  fehlen  viele,  namentlich  aus  den  Jahren  1492  und  1493,  in  welcher  Zeit
die  Roswitha’schen  Gedichte  fabricirt  wurden.  Im  Codex  sind  auch  bei  diesen
Jahren  4  Blätter  ausgeschnitten.
            
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