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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

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wollen:  sie  ist,  weil  nicht  aus  der  Natur  der  Kunstgattung  gezogen,  variabel
und  könnte  möglicherweise  auch  anders  sein:  allein  sie  ist  ein  gegebenes,  an
das  sich  der  Tragiker  halten  kann,  zumal  er  innerhalb  dieser  Schranke,  die
selbst  noch  manehfachen  Spielraum  lässt,  jenen  aus  dem  Wesen  und  der  Aufgabe ­
  der  Dichtung  gezogenen  Bestimmungen  der  Länge  entsprechen  kann.
Warum  sollte  er  also  diesen  thatsäehlichen  Gebrauch  tetralogischer  Aufführung, ­
  welche  pJ.x  äxpiacic  ergibt,  nicht  auch  als  einen  äussern  Anhalt  bezeichnen ­
  dürfen,  dem  der  Epiker  für  die  zweckmässige  Länge  seines  auch  für  p.ia
xxpiaaic  bestimmten  Gedichtes  sich  anzunähern  suchen  solle.  Geht  doch  auch
hier  die  aller  Kunstgattung  gemeinsame  Bestimmung  der  Länge  voraus,  dass
man  das  Ganze,  Anfang  und  Ende  müsse  überschauen  können.
Die  hiesige  Bestimmung  des  p.vjxos  der  epischen  Dichtung  im  Unterschied
von  der  Tragödie  geht  die  Länge  an,  welche  im  Wesentlichen  nach  der  Verszahl
sich  bestimmt.  Die  c.  5,  1449  b  12  hervorgehobene  Verschiedenheit  von  Epos
und  Tragödie  (tri  5s  rep  v.r/xci  v$  pev  ori  paXiura  -sipxrat  Otto  pu'av  nzpioSov  vjXt'ou
sivat  pixpöv  icxXXxrrsiv.  r,  5s  ixoizoiia  aöpiarog  tS>  yoovrp  d.  h.  überdies  in
der  Länge  versucht  die  eine  wo  möglich  unter  einen  Sonnenumlaufzu  fallen
oder  wenig  darüber  hinaus  zu  gehen,  die  andere  ist  nicht  an  Zeitgrenzen  gebunden) ­
  diese  Verschiedenheit  geht  nicht  diese  Länge  an,  sondern  jenen  bekannten
Unterschied  des  tragischen  und  epischen  Sujets,  wonach  der  Ausschnitt  der
tragischen  Handlung  vom  Dichter  so  zu  wählen  ist,  dass  dieselbe  als  in  dem
Umfange  eines  einzigen  Tages  verlaufend  dargestellt  und  aufgefasst  wird,  die
Handlung  eines  epischen  Gedichtes  dagegen  sich  auf  eine  Reihe  von  Tagen
vertheilen  kann.  Den  unlängst  mit  grossem  Aufwand  von  Gelehrsamkeit  gemachten ­
  Versuch  zu  beweisen,  dass  jenes  Eintagesgesetz  die  griechische  Tragödie ­
  nicht  gekannt  und  Aristoteles  nicht  berührt  habe,  halte  ich  im  Ganzen
und  Einzelnen  für  missglückt  (Teichmüller,  Beiträge  zu  A.  Poetik  S.  170—
240):  er  widerlegt  sich  an  den  Thatsachcn  der  griechischen  Tragödie  wie  des
homerischen  Epos,  die  man  beide  nur  neben  einander  zu  halten  braucht,  um
den  von  Aristoteles  hervorgehobenen  Unterschied  deutlich  wahrzunehmen,  und
er  widerlegt  sich  nicht  minderan  den  sehr  einfachen  und  jedeZweidcutigkeitausschliessenden
  Worten  des  Aristoteles.  Leser  der  griechischen  Tragödien  werden
wissen,  w r ie  viele  Feinheiten  der  Kunst  aus  eben  jener  Schranke  für  den  Dichter
erwachsen  sind,  und  werden  sich  mancher  Stellen  erinnern,  an  denen  der  Dichter ­
  cs  recht  absichtlich  den  Hörern  zum  Bewusstsein  bringt,  dass  der  tragische
Verlauf  an  eben  demselben  Tage  seinen  Abschluss  findet,  an  welchem  er  anhob.
Es  ist  übrigens  leicht  einzusehen,  wie  dieser  Unterschied  in  der  fingirten  Zeitdauer, ­
  welche  der  Tragiker  und  Epiker  seiner  Handlung  geben  kann,  mit  dem
andern  Unterschied  beider  in  der  äusseren  Länge  und  Ausdehnung  des  Gedichtes ­
  aufs  engste  zusammenhängt.
14S9  b  23  i'/j'-  5s  xpog  rä  s’-szrstvssSat  ro  ixt'/sjog  soXv  n  r,  izo-ouct
idiov  xrX.  Damit  vergleiche  man  Rhet.  1413  b  31  srt  iyii  75io'v  rt  rx  äxvvdsrx,
welche  Stelle  Spengel  in  seiner  Ausgabe  verdorben  hat,  indem  er  sie  so  druckt:
xftl  rx  xtrüvdsra  oxzxvrois  (seil,  iariv  vzoxpizixx)  —  ävx*/zvj  7x0  vnoxpfaeoäoti
xxi  arj  oje  ;v  Xs^ovra  rep  aurep  r,jn  xxi  rövtp  sbrriv,  or:  e/Ei  ü5iov  71  rx  äffuv-
            
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