332
V a h 1 e n
so viel ich sehe, grundlose Annahme einer Lücke zugegeben, so bliebe ja der
Satz Kpög '/xp roiiroig Xilgsi xai ötavot'a rravra vKepßißXvjxev davon völlig unberührt
und die Congruenz zwischen diesem und dem vorangegangenen sn rag
Stxvoiag xai rvjv X6%iv £x h v xaXwc nach wie vor dieselbe: und wenn nun
dennoch diese augenfällige Übereinstimmung zwischen Theorem und Beispiel
eigenmächtig zerstört werden soll, so kann ich darin nur die Anwendung methodischer
Grundsätze erkennen, welche die meinigen nicht sind.
A. a. 0. S. 27 hatte ich überdies bemerkt: 'wollte man den vj3vj noch
eine besondere Erwähnung einräumen, so müsste es im Anschluss an Ka.Svip.6trcov
(b 12) geschehen, aber auch dies hat seine Bedenken.’ Dies hat Susemihl
nicht abgehalten, in seiner Ausgabe KaS-gparoi-j xai ijScöv drucken zu lassen,
mit dem Vermerk: 'So S nach eigener Vermuthung.’ Welches Bedenken gemeint
war, kann keinem Leser der Poetik unklar sein. Aristoteles hat c. 11
die pipri roö pvSov bezeichnet als KipiKsrsia, ävayvclvpicrig und KctSog. Diese
drei p-ipri— und mehr kennt A. nicht—werden hier abermals als übereinstimmend
dem Mythos des Epos und der Tragödie angehörig aufgeführt in den Worten: xai
r/äp KcpiKizsiwv Sh xai avayvoipiaeitiv xai jraSjjpäuov. Demnach weiss ich auch
hier nicht, wie es mit den Gesetzen der Kritik verträglich sein soll, dieseÜbereinstimmung
zu stören, indem man ein viertes xai vjStnv hinzufügt? Ich beharre
daher bei der früher ausgesprochenen, bis jetzt durch keinen stichhaltigen
Grund widerlegten Meinung, dass die vjSvi weder in dem Satze hi rag Siavolag
xrX. noch in dem vorangegangenen xai */äp KcpiKcrsiSiv xrX. hinter jra3>jp.ar(ov
einzuschalten seien, und dass, wenn die vjSvi in diesem Zusammenhänge wirklich
nicht unerwähnt bleiben durften, dafür eine andere Form gesucht werden muss.
Allein die Voraussetzung selbst, dass eine namentliche Anführung der vjSvj
unerlässlich sei, ist nicht stichhaltig.
Wenn Aristoteles sagt: xai ra pipvj pcXoKOiiag xai otpsug raüra (seil,
det l'xav T1 5 v cKOKOtiav rvj rpa'ywöia), so braucht daran eine Aufzählung der
Theile selbst, die früher c. 6 genannt und definirt sind, sich nicht anzuschliessen:
ich will mich nicht auf c. ä berufen, wo Gemeinschaft und Verschiedenheit
der pipvj in.Tragödie und Epos mehr im allgemeinen bezeichnet wird:
aber auch c.26,1462 a 14 heisst es Kctvr k’x^t (<5 rpa-ywdta) oGotKcp vj Ikotcoiioi..
xai hi ov ptxpdv pipog rvjv piouacx^v xai rag otf/cij, ohne dass nun die übrigen
beiden gemeinsamen Theile aufgezählt würden. Anderseits kann der Satz hi
rag Siavoiag xai rvjv Xitgiv xaXSig nicht als Abschluss einer Aufzählung
der p.c'pv) angesehen werden: denn was wäre das für eine Aufzählung der p.ip'O,
die so verlief: r^v sVojrou'av rvj rpayydia peXoKoiiag xai ötpso>; pipvi ravra Sh
i'/J'.v, pvSov, vjSog, hi rctg Siavoiag xai rr t v X££,tv eyeiv zaXcöc. Erwägt man dies
alles und betrachtet die Anwendung, welche von diesen theroretischen Sätzen
auf Homer gemacht wird, so kann, wie ich denke, nicht unklar sein, worauf
es hier vor allem ankam: nämlich 1) auf die Arten der Composition (si’dvj),
nachdem der Mythos in seiner Behandlung im Übrigen als dramatisch-einheitliches
Ganzes im cap. 23 eingehend behandelt worden: und 2) auf die äussere
poetische Ausführung in Gedanken und Sprache (dixvoia und XHgig).