Roswitha und Conrad Celtes.
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wählt habe <), wo ein sittsamer Knabe allen Verführungen und Drohungen
des Päderasten widerstanden und endlich selbst lieber den
Tod erlitten, als dass er vom Wege der Tugend gewichen;
oder wo keusche Jungfrauen ungeachtet aller Verfolgungen und
Martern bis in den Tod ihre Unschuld bewahrten; oder wo fromme
Einsiedler in öffentliche Frauenhäuser sich begaben, um dort die Gefallenen
aufzusuchen und sie zur Tugend und Frömmigkeit zurückzuführen.
Es waren die italienischen Humanisten im fünfzehnten Jahrhunderte
—• dann aber auch nach ihrem Vorgänge die deutschen —
welche ihre anstössigen und schlüpferigen Dichtungen mit der sittlichen
Tendenz, welche in den poetischen Productionen liege, und
mit dem Wesen der wahren Poesie, welche das Leben schildere,
wie es in Wirklichkeit vorkomme, entschuldigten und vertheidigten
a ). Von dieser Richtung war Conrad Celtes in Deutschland der
Repräsentant, der sie bis an die äusserste Grenze des kaum Erlaubten
verfolgte s).
Wenn zwar zugestanden werden muss, dass die Form, die
Sprache und der Geist in den Roswüthaschen Dichtungen offenbar einem
und demselben Zeitalter angeboren, so wird man doch nicht verkennen
, dass der Wertli der einzelnen Stücke ein verschiedener in der
Art ist, dass dieselben w'ohl verschiedenen Verfassern zugeschrieben
werden könnten. Man hat diese Unterschiede bisher gewöhnlich dadurch
zu erklären gesucht, dass man die Dichterin, als in fortschreitender
Vervollkommnung auffasst. Benedixen macht über die
Aufeinanderfolge der einzelnen Dramen die Bemerkung, „dass die in
den letzten derselben in auffallender Weise hervortretende Gelehr-Es
ist wohl begreiflich, wie Scherr, Gesch. deutscher Cultur und Sitte S. 83, den
sittlichen Charakter der Roswitha verdächtigen konnte: Barack, a. a. 0. S. VII,
hätte sich darüber nicht so sehr ereifern sollen.
2 ) Celtes sucht wegen seiner unzüchtigen Liebeslieder und Schilderungen schlüpfriger
Situationen in der Praefatio zu den libris Amorum sich zu rechtfertigen,
dass er Carmina quae castas innocentum adolescentum aures laedant et inebrient
gedichtet habe. Er fährt dann weiter fort: Fatebimur equidem ingenue et illis
(obtrectatoribus) non aliud quam quod in praefationc sua in comoedias Hrosuita
nostra poeta Saxonica obtrectatoribus suis dederat, respondebimus.
3 ) Schlosser, Neuere Geschichte, I. S. 137 tadelt deshalb den Celtes als einen
schamlosen und frechen Dichter mit scharfen Worten.