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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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V  n  h  1  e  ft
wahr  ist,  so  schliesst  man  in  fälschlicher  Anwendung  jener  Umkehr
der  Folge,  dass  auch  das  Erste  wahr  sein  müsse,  was  doch  nicht
der  Fall  zu  sein  braucht.  Ein  Beispiel  dafür  geben  die  Niptra  d.  h.
Odyssee  XIX,  164—260.  Der  noch  unerkannte  Odysseus  hat  der
Penelope  erzählt,  dass  er  den  Odysseus  hei  sich  in  Kreta  beherbergt
und  bewirthet  hat.  Und  auf  Penelope’s  Anlass  fügt  er  dann  eine  detaillirte
  Schilderung  von  Odysseus  Aussehen,  Kleidung  u.  s.  w.  hinzu.
Da  nun,  wer  einen  Andern  bei  sich  bewirthet  hat,  wissen  wird,
wie  sein  Gast  ausgesehen,  und  Penelope  weiss,  dass  die  Angaben
über  Odysseus  Aussehen  und  Kleidung  richtig  sind,  so  ist  ihr  in
Folge  jener  paralogistischen  Umkehr  der  Folge  die  Richtigkeit  der
letzteren  Angaben  ein  Beweis,  dass  es  auch  mit  der  ersten  Erzählung ­
  von  der  Bewirthung  u.  s.  w.  seine  Richtigkeit  habe.  Auf  diese
Art  bat  denn  Homer  selbst  wahr  gemacht,  was  er  in  eben  jenem
Zusammenhänge  (203)  von  Odysseus  sagt  irsy.s  ■■psvoea  xollcc  liywv
stvixoigiv  6[xoicc.  Aristoteles  hat  noch  an  einer  anderen  Stelle  auf
ein  ähnliches  Verfahren  Homers  hingewiesen  Rhet.  III  12,  1414  a  2
toöto  os  ßovlsrai  tzoisiv  y.at  "Oixr/pog  iv  rw  Nipevg  au  Sü/xrjSsv  —
Nipsvg  ’Aylairig  —  Nipsvg  og  xdlliGzog  (II.  II  671  fg.).  Tispi  ou
-jap  nolld  s’iprizai,  avdyx-n  x«i  izollaxig  sipfiGSrai•  ei  ouv  y.ai  nolldy.ig,
  xai  zcolld  doxeX,  oxgzs  rju|u(7£v  dnot.^  fxwaSsig  öid  rdv  7ra.pa.lo-•yioixöv
  u.  s.  w.  (vgl.  Demetr.  de  eloc.  c.  61.  62).  Und  auf  denselben
Gesichtspunkt  geht  endlich  auch  das  Rhet.  III  7,  1408  a  20  den
Rednern  empfohlene  Verfahren  zurück  25).
An  diese  Bemerkung  über  den  Kunstgriff,  wie  man  Unwahres
(tpsiiov)  so  erzählen  könne,  dass  es  glaubhaft  (n'.xxavov)  werde,
schliesst  sich  passend  eine  vierte  Vorschrift  an,  dass  man  in  der
(epischen)  Dichtung  —  so  sehr  kommt  es  auf  das  TriSaviv  an  —
auch  ein  Unmögliches,  das  Glauben  erweckt  und  als  wahrscheinlich
gelten  kann,  einem  Möglichen  vorziehen  soll,  das  dennoch  auf  Glauben ­
  keinen  Anspruch  hat:  und  man  soll,  fährt  Artistoteles  in  engstem ­
  Anschluss  daran  fort,  die  Sujets  Q.öyoug)  der  epischen  Darstellung ­
  nicht  aus  unglaubhaften  Einzelhandlungen  componiren,  ix
[xepöjv  aliyoiv,  die  den  geraden  Gegensatz  bilden  zu  dem  eben  betonten ­
  mSavov  und  siy.og.  Aristoteles  kommt  hier  zurück  auf  das  selion
vorhin  bei  der  zweiten  Vorschrift  berücksichtigte  dloyov,  das,  wie
bemerkt,  dort  nur  secundär  als  Mittel  für  die  gra-jp.c/.o-ä  in  Betracht
kam  und  dem  Epos  im  Unterschiede  von  der  Tragödie  eingeräumt
            
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