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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

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jeden  Epiker  ist,  so  hat  er  auch  allein  unter  den  (epischen)  Dichtern
bewiesen,  dass  er  weiss,  welche  Rolle  der  Dichter  selbst  in  seiner
epischen  Darstellung  zu  übernehmen  hat:  der  Dichter  selbst  muss
nämlich  möglichst  wenig  in  eigener  Person  in  seiner  Erzählung
reden:  in  den  Partien,  wo  der  Dichter  selbst  den  Faden  der  Erzählung ­
  in  der  Hand  hält,  ist  er  nicht,  was  er  doch  sein  soll,
Nachahmer  (jufairr,  j)  in  dem  Sinne,  dass  er  seihst  mit  seiner  Person ­
  in  den  von  ihm  redend  eingeführten  Personen  aufgeht  und  verschwindet. ­
  Die  meisten  anderen  Dichter  nun  machen  es  so,  dass  sie
selbst  durch  die  ganze  Darstellung  in  eigener  Person  die  Erzählung
führen  (cr/wvt'^ovvat)  und  nur  an  wenigen  Stellen  ihre  Rolle  ganz
an  die  redend  eingeführten  Personen  abgeben.  Umgekehrt  ist  das
Verhältniss  bei  Homer,  der  nach  kurzen  Einführungsworten  (0X17«
ypotpua<7ccpi.svo?),  die  gleichsam  das  vermittelnde  Band  der  selbständigen ­
  fvasig  abgeben,  sofort  einen  Mann  oder  ein  Weib  oder
eine  andere  Person  (r ; ~oc)  redend  einführt,  und  zwar  alle  mit
bestimmt  ausgeprägtem  Charakter,  der  in  den  Reden  seihst  seinen
Ausdruck  findet  23).
Diese  überaus  wichtige,  schon  vor  Aristoteles  von  Platon  hervorgehobene ­
  Forderung  epischer  Darstellung  geht  auf  die  Natur  des
Epos  zurück.  Das  Epos  ist  seinem  Wesen  nach  Erzählung,  xtcx^z-XI«,
  Si  anayyslixg  pdp}«?,  rhrrfnixaz’.vSn  puixriaig:  da  aber,  wie  Cap.  3
bei  der  Sonderung  der  Dichtungen  nach  der  Art  und  Weise  der  Nachahmung ­
  angedeutet  worden,  die  änxyyelix  zweifacher  Art  sein
kann,  indem  der  xnxy^iXkuv  entweder  als  eine  andere  Person  aus
deren  Sinn  und  Gedanken  redet  (frepöv  Tt  7r/vop-svov)  oder  aber  als  er
selbst  aus  eigener  Person  darstellt  (wj  ziv  xvzöv  -/.cd  p.r,  ixtzxßxA-Xovra),
  so  ist  die  erste  Weise  der  äxxyye'Xix,  für  welche  auch  dort
Homer  als  Muster  genannt  wird,  die  dem  Epos  entsprechende:  nicht
der  Dichter  selbst  soll  durch  das  Ganze  der  xKxyysl’Xeav  sein,  sondern, ­
  indem  er  selbst  nur  den  verknüpfenden  Faden  der  Erzählung
hält,  soll  er  unter  den  verschiedenen  von  ihm  in  Rede  und  Gegenrede
eingeführten  Personen  verschwinden:  dadurch  nähert  sich  die  epische
Darstellung  der  eigentlich  dramatischen,  bei  welcher  das  Band
zwischen  dem  Dichter  und  den  redenden  und  handelnden  Personen
gänzlich  zerrissen  ist,  und  die  letzteren  als  freie  und  selbständige
Wesen  unmittelbar  vor  unseren  Augen  agiren.  Die  Bemerkung  über
diese  Anforderung  des  Epos  war  also  nicht  neu:  doch  war  es  zweck-
            
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