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Ganze als Ganzes nach Anfang und Ende und in den Gliederung
seiner Theile zu übersehen. Eine andere Begrenzung aus dem Wesen
der Dichtart und ihrer Darstellungsweise ist in der That nicht wohl
zu geben. Dennoch begnügt sich Aristoteles damit nicht: woran soll
der Dichter es bemessen, dass seine Darstellung dieses Mass des
svoiivoTiTov nicht überschritten hat. Auf ein vorhandenes Muster war
hier nicht einfach zu verweisen: denn die Homerischen Epen, welche
sonst für alle Fragen der epischen Dichtkunst als unübertreffliches
Muster aufgestellt werden, überschreiten in diesem Punkte eher das
rechte Mass, als dass sie innerhalb der gesteckten Grenzen blieben.
Um nun den epischen Dichter eines für die Grösse seines Gedichtes
anzulegenden Massstabes nicht entrathen zu lassen, setzt Aristoteles
zwei Grenzpunkte fest, innerhalb welcher sich das Ausmass eines
epischen Gedichtes bewegen soll. Einerseits die alten Epen d. h. die
Homerischen, anderseits die Anzahl der zu einer Anhörung (oder
Aufführung) verknüpften Tragödien. Aristoteles bezieht sich auf den
festen Brauch tetralogischer Aufführung, der zu allen Zeiten im grie-*chiscken
Drama geherrscht hat: es ist für die hiesige Frage ganz
untergeordnet, ob die hinter einander an einem Tage zur Aufführung
gebrachten Tragödien (nebst Satyrdrama) ein stofflich oder ideell
zusammenhängendes Ganzes ausmachten oder nicht. Man mag es
Schöll leicht zugeben, dass die griechischen Tragiker, auch wo die
zu einer tetralogischen Aufführung zusammengeordneten Tragödien
eine stoffliche Reihenfolge nicht ergaben, auf ideelle Gruppirung
häufiger Bedacht genommen, als uns heute nachzuweisen vergönnt
ist: aber gewiss ist, dass Aristoteles auf diese stoffliche oder ideelle
Verknüpfung nirgendwo in seiner Theorie Rücksicht nimmt, sondern
immer nur die einzelne Tragödie und die künstlerischen Anforderungen,
die an diese zu stellen sind, im Auge bat. Allein für die vorliegende
Frage kam ihm der thatsächliche Gebrauch tetralogischer
Aufführungen zu Statten, indem daran ein Kriterium gegeben war
für das Ausmass dessen, was der Aufmerksamkeit des Publicums
überhaupt zuzumuthen ist. Denn auch für das Epos denkt Aristoteles
offenbar mehr an den rhapsodischen Vortrag als an die Lectüre desselben.
Dabei ist freilich mit in Retracht zu ziehen, dass es nicht
blos auf die Anzahl der Verse ankam, sondern auch darauf Rücksicht
zu nehmen war, dass eine Tragödienaufluhrung in Folge der
langsam unter Musik und gemessenem Tanzschritt vorgetragenen