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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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V  a  h  1  e  n

Ganze  als  Ganzes  nach  Anfang  und  Ende  und  in  den  Gliederung
seiner  Theile  zu  übersehen.  Eine  andere  Begrenzung  aus  dem  Wesen
der  Dichtart  und  ihrer  Darstellungsweise  ist  in  der  That  nicht  wohl
zu  geben.  Dennoch  begnügt  sich  Aristoteles  damit  nicht:  woran  soll
der  Dichter  es  bemessen,  dass  seine  Darstellung  dieses  Mass  des
svoiivoTiTov  nicht  überschritten  hat.  Auf  ein  vorhandenes  Muster  war
hier  nicht  einfach  zu  verweisen:  denn  die  Homerischen  Epen,  welche
sonst  für  alle  Fragen  der  epischen  Dichtkunst  als  unübertreffliches
Muster  aufgestellt  werden,  überschreiten  in  diesem  Punkte  eher  das
rechte  Mass,  als  dass  sie  innerhalb  der  gesteckten  Grenzen  blieben.
Um  nun  den  epischen  Dichter  eines  für  die  Grösse  seines  Gedichtes
anzulegenden  Massstabes  nicht  entrathen  zu  lassen,  setzt  Aristoteles
zwei  Grenzpunkte  fest,  innerhalb  welcher  sich  das  Ausmass  eines
epischen  Gedichtes  bewegen  soll.  Einerseits  die  alten  Epen  d.  h.  die
Homerischen,  anderseits  die  Anzahl  der  zu  einer  Anhörung  (oder
Aufführung)  verknüpften  Tragödien.  Aristoteles  bezieht  sich  auf  den
festen  Brauch  tetralogischer  Aufführung,  der  zu  allen  Zeiten  im  grie-*chiscken
  Drama  geherrscht  hat:  es  ist  für  die  hiesige  Frage  ganz
untergeordnet,  ob  die  hinter  einander  an  einem  Tage  zur  Aufführung
gebrachten  Tragödien  (nebst  Satyrdrama)  ein  stofflich  oder  ideell
zusammenhängendes  Ganzes  ausmachten  oder  nicht.  Man  mag  es
Schöll  leicht  zugeben,  dass  die  griechischen  Tragiker,  auch  wo  die
zu  einer  tetralogischen  Aufführung  zusammengeordneten  Tragödien
eine  stoffliche  Reihenfolge  nicht  ergaben,  auf  ideelle  Gruppirung
häufiger  Bedacht  genommen,  als  uns  heute  nachzuweisen  vergönnt
ist:  aber  gewiss  ist,  dass  Aristoteles  auf  diese  stoffliche  oder  ideelle
Verknüpfung  nirgendwo  in  seiner  Theorie  Rücksicht  nimmt,  sondern
immer  nur  die  einzelne  Tragödie  und  die  künstlerischen  Anforderungen, ­
  die  an  diese  zu  stellen  sind,  im  Auge  bat.  Allein  für  die  vorliegende ­
  Frage  kam  ihm  der  thatsächliche  Gebrauch  tetralogischer
Aufführungen  zu  Statten,  indem  daran  ein  Kriterium  gegeben  war
für  das  Ausmass  dessen,  was  der  Aufmerksamkeit  des  Publicums
überhaupt  zuzumuthen  ist.  Denn  auch  für  das  Epos  denkt  Aristoteles
offenbar  mehr  an  den  rhapsodischen  Vortrag  als  an  die  Lectüre  desselben. ­
  Dabei  ist  freilich  mit  in  Retracht  zu  ziehen,  dass  es  nicht
blos  auf  die  Anzahl  der  Verse  ankam,  sondern  auch  darauf  Rücksicht ­
  zu  nehmen  war,  dass  eine  Tragödienaufluhrung  in  Folge  der
langsam  unter  Musik  und  gemessenem  Tanzschritt  vorgetragenen
            
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