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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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V  a  h  1  e  n

konnten.  In  dieser  Beziehung  konnten  wir  die  nackte  Aufzählung  bei
Aristoteles  aus  Proklos'  Inhaltsangaben  einigermassen  für  unsere  Vorstellung ­
  ausfüllen,  und  wenn  uns  Einiges  unklar  blieb,  so  ist  eben
nicht  zu  vergessen,  dass  wir  statt  eines  vollen  Epos  nur  einen  Schattenriss ­
  in  Proklos'  Excerpten  haben.  ls )
Soviel  also  über  die  einheitliche  und  dramatische  Gestaltung  des
Mythos  im  Epos.  Weiter  muss  (Cap.  24)  die  epische  Dichtung  für
die  Composition  sich  an  dieselben  Arten  halten,  wie  die  Tragödie,
d.  h.  sie  muss  entweder  einfach  oder  verflochten,  ethisch  oder  pathetisch ­
  sein:  und  sie  hat  auch  die  Theile  mit  der  Tragödie  gemein,
mit  Ausnahme  der  beiden  durch  die  dramatisch-musikalische  Aufführung ­
  der  Tragödie  bedingten,  der  Melopoeie  und  der  Scenerie:
auf  diese  beiden  dem  Epos  als  erzählender  Kunstgattung  fehlenden
Theile  war  schon  Cap.  5  hingewiesen  worden:  im  übrigen  bedurfte
es  hier  einer  speziellen  Aufzählung  der  pipz  nicht,  da  dieselben  früher ­
  (Cap.  6)  bei  der  Tragödie  eingehend  dargelegt  sind.  Und  nicht
blos  die  Theile  der  Dichtung  hat  Epos  mit  Tragödie  gemein,  sondern ­
  auch  hinwiederum  die  Theile  des  Mythos:  denn  auch  das  Epos
erfordert  Erkennungen,  Peripetien,  und  schmerz-  oder  verderbenbringende ­
  Tkaten  d.  h.  naär,!x(XTa:  auch  diese  Theile  des  Mythos,
und  nur  diese,  sind  Cap.  TI  für  die  Tragödie  genannt  worden.
Überdies  muss  die  epische  Dichtung  in  Gedanken  und  sprachlichem
Ausdruck  deu  Forderungen  der  Kunst  entsprechen  (s/stv  y.cüojg).
Mit  dieser  letzteren  Bemerkung,  die  man  missverstanden  hat,  setzt
Aristoteles  nicht  etwa  eine  angefangene  Aufzählung  der  Lupz  fort,
wozu  £-/_£(v  xcG.ojc  nicht  wohl  passen  würde:  vielmehr  ist  der  Gedankenzusammenhang ­
  dieser:  für  die  innere  Gestaltung  der  Dichtung
als  solcher  d.  i.  die  dichterische  Composition  im  eigentlichen  Sinne
ist  die  epische  Dichtung  an  dieselben  Compositionsarten,  sowie  an  dieselben ­
  Theile  d.  h.  Erfordernisse  der  Dichtung  gebunden,  wie  die
Tragödie:  überdies  muss  sie  für  die  äussere  Gestaltung,  die  auf
Gedankenausdruck  und  Sprache  beruht,  den  Gesetzen  der  Kunst
entsprechen.  Die  beiden  letzteren  fziprji  die  enger  zusammengehören,
löst  Aristoteles  von  der  eigentlich  dichterischen  Composition  in  ähnlicher ­
  Art  ab,  wie  er  es  in  der  Theorie  der  Tragödie  getlmn  (vergl.
Beitr.  II  S.  66).  Dass  dies  das  Gedankenverhältniss  sei,  geht,  wie
ich  meine,  deutlich  hervor  aus  der  Anwendung,  welche  davon  im
gleich  folgenden  auf  Homer  gemacht  wird.  Dies  alles  hat  Homer  zu-
            
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