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Aschbach
Die Versification, wie sie sich in den lateinischen Gedichten des
zehnten und elften Jahrhunderts vorfindet 1 ), mit den leoninischeu
Hexametern und Pentametern ist ziemlich unvollkommen: es sind
schwache Anläufe zu dem, was in einer gewissen Vollendung in den
Roswitha’schen Gedichten geboten wird 2 ). Auf diesen Grad der formellen
poetischen Ausbildung war man erst im zwölften Jahrhundert
und später gekommen.
Allerdings lieben schon die Dichter des Karolingischen Zeitalters
und auch der folgenden Zeit Sentenzen und Stellen aus alten
Classikern, vorzüglich Dichtern, zu entnehmen; der Kreis aber war
ein ziemlich beschränkter; er ging, was die Dichter betrifft, nicht
viel über Virgil, Lucan, Statius und Horaz hinaus; selten oder gar
nicht wurden Ovid und Terenz gelesen. Die Roswitha’schen Werke
verrathen aber eine genaue Bekanntschaft nicht nur mit allen diesen
genannten alten Dichtern, sondern auch mit Plautus, dessen Sprache
und selbst Archaismen in den Dramen nachgeahmt werden =): und
XI. Jh. S. XIX. flg. Es wäre nicht uninteressant, im Einzelnen nachzuweisen,
welche Idiotismen bei der Roswitha mit denen bei den deutschen Humanisten am
Ende des 15. Jahrhunderts übereinstimmen.
*) Vgl. J. Grimm und A. Schmeller lat. Gedichte des X. und XI. Jahrh. Gott. 1838.
8 ) Namentlich ist die elegische Verbindung des Ieoninisclien Hexameters mit dem
gereimten Pentameter eine im zehnten Jahrhundert nicht vorkommende. Überhaupt
ist der Gebrauch der Ieoninisclien Verse durch ganze Dichtungen ein späterer,
der erst im 14. und 15. Jahrhundert sich verbreitete. Unrichtig ist daher die
Bemerkung Barack’s S. LV: „Ihre Verse sind leoninische, wie sie zu ihrer Zeit in
Gebrauch waren und zwar vorzugsweise mit stumpfem Reime. Auch im Übrigen
theilen sie den Charakter, den die lateinischen Dichtungen ihrer Zeit überhaupt an
sich tragen. u Ganz anders lautet das Urtheil J. Grimm’s, lat. Ged. im X. und XI.
Jahrh. S. IX. Die Vergleichung der sogenannten Roswitha’schen Versification mit
andern Dichtungen des X. und XI. Jahrh. zeigt uns wesentliche Unterschiede.
Die Ieoninisclien oder gereimten Hexameter kommen nicht wie sonst
üblich einzeln vor, sondern hei der Roswitha fast regelmässig durch das
ganze Gedicht. Die elegische Verbindung des Ieoninisclien Hexameters mit
dem gereimten Pentameter kommt erst im XII. und XIII. Jahrh. vor. S. 305 : „Wie
verschieden klingen die Distichen des XII. Jahrh. von den Ieoninisclien Versen des
10. (der Roswitha).“
3 ) Die Pronomina im Genitiv mis, tis, sois für mei, tui, sui, welche bei Ennius und
Plautus Vorkommen, (Celtes in der Vorrede sagt: für die Dative mihi, tibi, sibi).
Auch führt Celtes an, dass alterthümlich debrius für ebriüs von der Roswitha gebraucht
werde. Debrius kommt aber weder bei Plautus noch sonst bei einem alten