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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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Aschbach

Die  Versification,  wie  sie  sich  in  den  lateinischen  Gedichten  des
zehnten  und  elften  Jahrhunderts  vorfindet 1 ),  mit  den  leoninischeu
Hexametern  und  Pentametern  ist  ziemlich  unvollkommen:  es  sind
schwache  Anläufe  zu  dem,  was  in  einer  gewissen  Vollendung  in  den
Roswitha’schen  Gedichten  geboten  wird 2 ).  Auf  diesen  Grad  der  formellen ­
  poetischen  Ausbildung  war  man  erst  im  zwölften  Jahrhundert
und  später  gekommen.
Allerdings  lieben  schon  die  Dichter  des  Karolingischen  Zeitalters ­
  und  auch  der  folgenden  Zeit  Sentenzen  und  Stellen  aus  alten
Classikern,  vorzüglich  Dichtern,  zu  entnehmen;  der  Kreis  aber  war
ein  ziemlich  beschränkter;  er  ging,  was  die  Dichter  betrifft,  nicht
viel  über  Virgil,  Lucan,  Statius  und  Horaz  hinaus;  selten  oder  gar
nicht  wurden  Ovid  und  Terenz  gelesen.  Die  Roswitha’schen  Werke
verrathen  aber  eine  genaue  Bekanntschaft  nicht  nur  mit  allen  diesen
genannten  alten  Dichtern,  sondern  auch  mit  Plautus,  dessen  Sprache
und  selbst  Archaismen  in  den  Dramen  nachgeahmt  werden  =):  und

XI.  Jh.  S.  XIX.  flg.  Es  wäre  nicht  uninteressant,  im  Einzelnen  nachzuweisen,
welche  Idiotismen  bei  der  Roswitha  mit  denen  bei  den  deutschen  Humanisten  am
Ende  des  15.  Jahrhunderts  übereinstimmen.
*)  Vgl.  J.  Grimm  und  A.  Schmeller  lat.  Gedichte  des  X.  und  XI.  Jahrh.  Gott.  1838.
8 )  Namentlich  ist  die  elegische  Verbindung  des  Ieoninisclien  Hexameters  mit  dem
gereimten  Pentameter  eine  im  zehnten  Jahrhundert  nicht  vorkommende.  Überhaupt
ist  der  Gebrauch  der  Ieoninisclien  Verse  durch  ganze  Dichtungen  ein  späterer,
der  erst  im  14.  und  15.  Jahrhundert  sich  verbreitete.  Unrichtig  ist  daher  die
Bemerkung  Barack’s  S.  LV:  „Ihre  Verse  sind  leoninische,  wie  sie  zu  ihrer  Zeit  in
Gebrauch  waren  und  zwar  vorzugsweise  mit  stumpfem  Reime.  Auch  im  Übrigen
theilen  sie  den  Charakter,  den  die  lateinischen  Dichtungen  ihrer  Zeit  überhaupt  an
sich  tragen. u  Ganz  anders  lautet  das  Urtheil  J.  Grimm’s,  lat.  Ged.  im  X.  und  XI.
Jahrh.  S.  IX.  Die  Vergleichung  der  sogenannten  Roswitha’schen  Versification  mit
andern  Dichtungen  des  X.  und  XI.  Jahrh.  zeigt  uns  wesentliche  Unterschiede. ­
  Die  Ieoninisclien  oder  gereimten  Hexameter  kommen  nicht  wie  sonst
üblich  einzeln  vor,  sondern  hei  der  Roswitha  fast  regelmässig  durch  das
ganze  Gedicht.  Die  elegische  Verbindung  des  Ieoninisclien  Hexameters  mit
dem  gereimten  Pentameter  kommt  erst  im  XII.  und  XIII.  Jahrh.  vor.  S.  305  :  „Wie
verschieden  klingen  die  Distichen  des  XII.  Jahrh.  von  den  Ieoninisclien  Versen  des
10.  (der  Roswitha).“
3 )  Die  Pronomina  im  Genitiv  mis,  tis,  sois  für  mei,  tui,  sui,  welche  bei  Ennius  und
Plautus  Vorkommen,  (Celtes  in  der  Vorrede  sagt:  für  die  Dative  mihi,  tibi,  sibi).
Auch  führt  Celtes  an,  dass  alterthümlich  debrius  für  ebriüs  von  der  Roswitha  gebraucht ­
  werde.  Debrius  kommt  aber  weder  bei  Plautus  noch  sonst  bei  einem  alten
            
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