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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.  283
nicht  aufgenommen,  Hesse  sich  mit  gleichem  Rechte  auf  die  kleine
Ilias  anwenden.
Die  Zerstörung  Ilions  als  Sujet  für  eine  einzelne  Tragödie  (ohne
Rücksicht  übrigens  auf  das  hiesige  Epos,  sondern  lediglich  als  Sagen,stoff ­
  genommen)  hat  Aristoteles  Cap.  18  nicht  ohne  einen  erheblichen ­
  Tadel  genannt.  Hier  in  der  Reihe  der  übrigen  erscheint  ’IÄi'ou
nipG'.g  als  ein  einzelnerTheil  des  Epos  neben  anderen,  dem  eine  einzelne ­
  Tragödie  entsprechen  konnte,  und  Aristoteles  sieht  nach  dem
Zwecke  der  hiesigen  Betrachtung  von  dem  a.  a.  0.  geltend  gemachten ­
  Gesichtspunkt  ab,  dass  der  Sagenstoff  von  der  Zerstörung  Ilions
für  eine  einzelne  Tragödie  ein  zu  umfangreiches  Sujet  ist.
An  ’lXion  nipaig  schliessen  sich  in  der  Aufzählung  des  Aristoteles ­
  noch  drei  Epostheile,  welche  drei  Tragödien  ergeben-  können,
an:  x.a.1  anoTtkovg  '/.cd  Stvcov  -/.cd  Tpwäueg.  An  den  beiden  letzten  Namen ­
  haben  viele  so  erheblichen  Anstoss  genommen,  dass  sie  dieselben ­
  dem  Aristoteles  absprechen  zu  müssen  glaubten.  Indem  man  davon ­
  ausging,  dass  ein  hinter  ’Du'ou  nepoig  genannter  dninlovg  nur
die  endliche  Abfahrt  der  Griechen  nach  vollendeter  Zerstörung  bedeuten ­
  könne,  fand  man  dass  Stvwv  und  Tpcoadeg  gegen  die  bisher
innegehaltene  chronologische  Ordnung  d.  h.  die  Ordnung  des  Epos
der  Art  verstiessen,  dass  dem  Aristoteles  selbst  ein  solcher  Verstoss
nicht  zuzutrauen  sei.  Allein  erstlich  ist  es  keineswegs  so  ausgemacht,
dass  die  schliessliche  Abfahrt  der  Hellenen  von  Troja  noch  so  weit
in  der  kleinen  Ilias  behandelt  war,  um  von  Aristoteles  als  selbständiges ­
  pApog,  das  Gegenstand  einer-  besonderen  Tragödie  werden
konnte,  bezeichnet  zu  werden.  Um  so  sicherer  aber  steht  durch  zuverlässige ­
  Zeugnisse  fest,  dass  das  Abenteuer  des  Sinon  und  die  Misshandlung ­
  der  Troischen  Kriegsgefangenen  in  Lesclies  Epos  dargestellt ­
  war,  und  man  wird  nicht  in  Abrede  stellen,  dass,  auch  wenn  es
entsprechende  Tragödien  nicht  gäbe  oder  gegeben  hätte,  beide  Gegenstände ­
  der  epischen  Erzählung  geeignet  waren,  Sujets  für  zwei
besondere  Tragödien  abzugeben.  Dazu  kommt,  dass,  genau  betrachtet, ­
  auch  der  Anlass  zur  Athetese  nicht  stichhaltig  ist:  denn  wenn
ein  hinter  ’Diou  nipaig  genannter  anönAovg  nur  die  endliche  Abfahrt
der  Griechen  von  der  zerstörten  Stadt  bedeuten  kann,  so  wird  man
doch  auch  zugeben,  dass  bei  einem  vor  Sivcov  genannten  dninlGug
nur  an  die  verstellte  Abfahrt  der  Griechen  nach  Tenedos  gedacht
werden  kann.  Und  sieht  man  einen  Augenblick  von  dem  vorange-
            
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