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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Roswitha  und  Conrad  Celtes.

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Einem  mit  den  lateinischen  Dichtungen  des  Mittelalters  vertrauten ­
  Leser  der  Werke,  welche  der  Nonne  Roswitha  zugeschriehen
werden,  wird  nicht  entgehen,  wenn  er  ohne  vorgefasste  Meinung  auf
ihren  Inhalt,  ihre  Form  und  den  sie  durchdringenden  Geist  sieht,
dass  wir  hier  nicht  eine  Production  des  zehnten  Jahrhunderts  yor  uns
haben;  dass  kaum  Jemand  in  jener  Zeit,  am  wenigsten  aber  eine
Klosterfrau  solche  Fertigkeit  in  ziemlich  correctem  Lateinschreiben
und  in  der  lateinischen  Versification  besessen;  dass  nicht  leicht  Jemand
damals  eine  derartige  Belesenheit  in  den  alten  Classikcrn  gehabt  und
über  so  mannichfaltige  Kenntnisse  in  verschiedenen  Zweigen  der
Wissenschaften  zu  gebieten  im  Stande  gewesen.  Dazu  kommt,  dass
der  Geist,  der  diese  Werke  durchweht,  durchgehends  ein  männlicher
und  sehr  gebildeter  ist,  trotz  aller  Versicherungen,  die  in  den  Vorreden ­
  gegeben  sind,  von  weiblicher  Schwäche  und  Unvollkommenheit, ­
  von  Mangel  an  Selbständigkeit  und  wissenschaftlichen  Kenntnissen. ­

Verweilen  wir  hei  einigen  der  vorzüglichsten  Momente,  welche
besonders  hier  nicht  übersehen  werden  dürfen,  näher  und  sehen  wir
dabei  auf  Analoges  im  15.  Jahrhundert.
Die  Labilität  des  zehnten  Jahrhunderts  war  in  der  Wirklichkeit
eine  barbarische  und  ungelenke,  in  unsern  Dichtungen  ist  sie  eine
ziemlich  correcte  und  gewandte,  welche  der  im  fünfzehnten  Jahrhunderte ­
  hei  den  besten  Schriftstellern  vorkommenden  entspricht  i).
Geschichte  des  Klosters  Gandersheim  unter  den  ersten  Abtissinen  desselben  bis
zum  J.  919.  ln  den  Versen  87  und  88  in  dem  Carmen  beruft  sieb  die  Nonne  auf
den  Panegyricus  de  gestis  Oddonis,  wo  sie  von  dessen  Kaiserregierung  spräche:
Haec  igitur  modici  demonstrat  pagina  lihri
Planius,  e  causis  rerum  quem  scripsimus  liarum.
Henricus  Bodo,  Mönch  des  Benedictiner  Klosters  Clusium,  der  um  1531  ein
Syntagma  eccles.  Gandesianae  schrieb,  erwähnt  zuerst  dieses  Gedichtes.  Vgl.  Leibnitz ­
  script.  rer.  ßrunsvic.  111.  p.  702  und  Fabrie.  Bibi.  II.  p.  834.  Zuerst  gedruckt
von  Leuckfeld,  Antiq.  Gandeshem.  1709.  4.  Dieser  behauptet,  eine  Abschrift  aus  dem
lö.  Jahrh.  in  Händen  gehabt  zu  haben.  Die  Originalhandschrift  soll  iin  13.  Jahrh.
ins  Deutsche  übersetzt  worden  und  dann  in  Verlust  gerathen  sein.  Leibnitz  gab
in  den  Scriptt.  Brunsv.  II.  1710  p.  319  11'.  und  Harenberg  in  der  Histon  Eccl.
Gandersh.  1734.  p.  409,  Pertz  in  den  Mon.  li.  Germ.  T.  IV.  p.  300.  einen  revidirlen
Text:  auch  Barack  in  den  Opp.  Ilrotsvithae  hat  das  Carmen  p.  339  flg.  aufgenommen. ­

Uber  die  Sprache  in  den  Roswitha'sehcn  Werken  und  ihre  Eigenthümlichkeiten
handelt  Barack  a.  a.  0.  S.  XLIX.  Auch  Grimm  iu  den  lat.  Dichtungen  des  X.  und
            
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