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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Roswitha  und  Conrad  Geltes.

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Sie  tragen  an  ihrer  Spitze  die  Aufschrift  Hrotsvithae  Praefatio,
welclie  aber  im  Manuscript  von  der  Hand  des  Celtes  umsclirieben  ist:
Hrosvithae  illustris  mulieris  Germanae,  geilte  Saxonica  ortae,  in
opera  sua,  carmine  conseripto  Praefatio  felieiter  incipit.
In  dem  nicht  ohne  Geschick  geschriebenen  Vorworte  spricht  die
angebliche  Verfasserin  mit  grosser  Bescheidenheit  von  ihren  geringen
Leistungen,  welclie  sie  der  nachsichtigen  Beurtbeilung  und  gütigen
Verbesserung  der  Leser  vorlegt.  Sie  gibt  an,  dass  sie  selbst  ihrer
Unvollkommenheit  in  der  Metrik  und  im  Lateinschreiben  sich  bewusst
sei,  und  äussert  die  Befürchtung,  dass  sie  zu  ihren  poetischen
Erzählungen  nicht  immer  die  echtesten  und  zuverlässigsten  Quellen
beigezogen  habe.  Was  ihr  selbst  an  vollständiger  Bildung  abgegangen, ­
  dafür  hofft  sie  einen  Ersatz  gegeben  zu  haben  durch  Einreihung
von  Stellen  aus  Schriften,  welche  in  ihrem  Kloster  Gandersheim
gesammelt  worden.  Auch  hätte  die  Leitung  ihrer  Lehrerin  Riccardis
und  die  gütige  Führung  der  gelehrten  Äbtissin  Gerberga,  aus
königlichem  Geschlechte,  weitere  Mängel  beseitigt.  Aber  dass  sie
im  Stande  gewesen  ihre  Gedichte  in  dactylischen  Versen  zu  schreiben, ­
  verdanke  sie  nicht  sowohl  ihrem  geringen  Talente,  als  vielmehr
dem  göttlichem  Beistände,  der  sie  geleitet.  Der  Praefatio  folgt  sodann
in  zwölf  elegischen  Versen  (mit  leoninischen  Reimen)  die  Dedication
an  die  Äbtissin  Gerberga  ohne  Überschrift  *).
Die  Argumenta,  welclie  im  Drucke  den  Legenden  vorausgeschickt ­
  werden,  stehen  nicht  im  Codex.  Sie  sind  nicht  ganz  genau,
indem  sie  häufig  mit  den  Legenden  nicht  vollständig  übereinstimmen.
An  der  Spitze  der  Heiligengeschichten  steht  die  in  903  leoninischen ­
  Versen  besungene  Maria  oder  „ITistoria  nativitatis  laudabilisquc
conversationis  intactae  Dei  genitricis,  quam  scriptam  repperi  sub  nomine ­
  sancti  Jacobi,  fratris  Domini“  3 ).  Es  ist  das  umfangreichste  Stück,
in  drei  Abtheilungen,  welche  in  der  Sprache  sich  nicht  ganz  gleich
sind,  so  dass  sie  von  verschiedenen  Verfassern  geschrieben  sein
könnten.
Das  zweite  Gedicht  der  Sammlung  hat  die  Überschrift:  „De
ascensione  domini.  Hane  narrationem  Johannes  Episcopus  a  Graeco-1

 )  Von  der  Hand  des  Celtes  ist  im  Codex  beigeschrieben  :  Ad  Gerbergam  abbatissam
in  Gandeslieim,  Ottonis  Imperatoris  neptem.
2 )  Nach  dem  Protevangelium  Jacobi  in  Cod.  Apocryph.  nov.  Test.  T.  I.  p.  40.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LVI.  Bd.  I.  Hft.  2
            
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