Roswitha und Conrad Geltes.
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Sie tragen an ihrer Spitze die Aufschrift Hrotsvithae Praefatio,
welclie aber im Manuscript von der Hand des Celtes umsclirieben ist:
Hrosvithae illustris mulieris Germanae, geilte Saxonica ortae, in
opera sua, carmine conseripto Praefatio felieiter incipit.
In dem nicht ohne Geschick geschriebenen Vorworte spricht die
angebliche Verfasserin mit grosser Bescheidenheit von ihren geringen
Leistungen, welclie sie der nachsichtigen Beurtbeilung und gütigen
Verbesserung der Leser vorlegt. Sie gibt an, dass sie selbst ihrer
Unvollkommenheit in der Metrik und im Lateinschreiben sich bewusst
sei, und äussert die Befürchtung, dass sie zu ihren poetischen
Erzählungen nicht immer die echtesten und zuverlässigsten Quellen
beigezogen habe. Was ihr selbst an vollständiger Bildung abgegangen,
dafür hofft sie einen Ersatz gegeben zu haben durch Einreihung
von Stellen aus Schriften, welche in ihrem Kloster Gandersheim
gesammelt worden. Auch hätte die Leitung ihrer Lehrerin Riccardis
und die gütige Führung der gelehrten Äbtissin Gerberga, aus
königlichem Geschlechte, weitere Mängel beseitigt. Aber dass sie
im Stande gewesen ihre Gedichte in dactylischen Versen zu schreiben,
verdanke sie nicht sowohl ihrem geringen Talente, als vielmehr
dem göttlichem Beistände, der sie geleitet. Der Praefatio folgt sodann
in zwölf elegischen Versen (mit leoninischen Reimen) die Dedication
an die Äbtissin Gerberga ohne Überschrift *).
Die Argumenta, welclie im Drucke den Legenden vorausgeschickt
werden, stehen nicht im Codex. Sie sind nicht ganz genau,
indem sie häufig mit den Legenden nicht vollständig übereinstimmen.
An der Spitze der Heiligengeschichten steht die in 903 leoninischen
Versen besungene Maria oder „ITistoria nativitatis laudabilisquc
conversationis intactae Dei genitricis, quam scriptam repperi sub nomine
sancti Jacobi, fratris Domini“ 3 ). Es ist das umfangreichste Stück,
in drei Abtheilungen, welche in der Sprache sich nicht ganz gleich
sind, so dass sie von verschiedenen Verfassern geschrieben sein
könnten.
Das zweite Gedicht der Sammlung hat die Überschrift: „De
ascensione domini. Hane narrationem Johannes Episcopus a Graeco-1
) Von der Hand des Celtes ist im Codex beigeschrieben : Ad Gerbergam abbatissam
in Gandeslieim, Ottonis Imperatoris neptem.
2 ) Nach dem Protevangelium Jacobi in Cod. Apocryph. nov. Test. T. I. p. 40.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LVI. Bd. I. Hft. 2