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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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A  s  c  h  b  a  c  h

und  demselben  Verfasser  lierrühren  könnten.  Anders  verhält  es  sieh
mit  den  folgenden.
Die  vierte  Comödie,  Abraham  genannt,  hat  mit  der  fünften,
welche  die  Aufschrift  Paphnutius  führt,  im  ganzen  einen  ähnlichen
Inhalt:  es  handelt  sich  in  beiden  Stücken  um  die  in  Legenden 1 )  erzählte ­
  Bekehrung  von  öffentlichen  Frauenspersonen  zur  Tugend  durch
die  Vorstellungen  und  Ermahnungen  frommer  Einsiedler,  welche  sich
nicht  scheuten,  um  das  verdienstliche  Werk  zu  vollführen,  ihre
Einsamkeit  verlassend,  sich  in  öffentliche  Frauenhäuser  zu  begeben. ­
  In  beiden  Comödien  zeigt  sich  eine  glückliche  Erfindungsgabe
und  tiefe  Menschenkenntnis:  ausführliche  Charakterschilderungen
kommen  vor,  welche  den  Beweis  liefer  n,  dass  von  dem  Verfasser ­
  die  edlen  Beweggründe,  welche  zur  aufopfernden  Liebe
führen,  wie  auch  die  Stimmungen  der  im  Laster  Versunkenen  wohl
erwogen  wurden.  Man  muss  erstaunen  über  die  Kühnheit,  die
Autorschaft  der  beiden  Stücke,  die  so  schlüpfrige  Situationen  schildern, ­
  einer  keuschen  und  dem  argen  Welttreiben  fremden  Nonne
zuzuschreiben,  um  so  mehr,  als  in  einer  dieser  Comödien  (im  Paphnutius) ­
  zugleich  ein  nicht  gewöhnliches  philosophisches  Wissen
und  eine  Summe  von  mannigfaltigen  Kenntnissen  sich  niedergelegt
findet.  Auch  enthält  der  metaphysische  Dialog  zwischen  Paphnutius
und  seinen  Schülern  Anklänge,  welche  wenig  auf  das  zehnte  Jahrhundert, ­
  sondern  vielmehr  auf  ein  späteres  scholastisches  Zeitalter
passen.
Die  sechste  und  letzte  Comödie,  welche  Sapientia  überschrieben
ist,  schildert  den  Kampf  und  Sieg  der  christlichen  Mutter  Sapientia
mit  ihren  drei  Töchtern  Fides,  Spes  und  Charitas  über  die  heidnische
Thorheit,  die  im  Kaiser  Hadrian  personificirt  wird.  Eine  merkwürdige
Beigabe  zu  dem  Stücke  bildet  die  fein  ausgedachte  Zahlentheorie,
welche  Sapientia  vor  Hadrian  entwickelt.  Es  ist  wenig  glaublich,
dass  eine  sächsische  Nonne  im  10.  Jahrhundert  mit  solchen  schwierigen ­
  Dingen  sich  beschäftigt  habe.  In  der  Legende  2),  welche  dem
Stücke  zu  Grunde  liegt,  kommt  die  Sache  nicht  vor.
Die  versificirten  Heiligengeschichten  bilden  das  zweite  Buch
(nach  dem  Codex  das  erste).

1)  Act.  SS.  Martii  T.  I.  p.  443.  Oct.  T.  VI.  p.  223.
3 )  Act.  SS.  August.  T.  I.  p.  16.
            
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